Fake News, Halbwahrheiten, Konspirationstheorien - die Ausbreitung von Desinformation in der digitalisierten Welt, insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, wird immer mehr zur Bedrohung und zur Herausforderung für unsere Demokratie. Das Buch analysiert, welche Trends die Aufmerksamkeitsökonomie in eine Desinformationsökonomie verwandeln. Stichworte sind der langfristige Glaubwürdigkeitsverlust der traditionellen Medien, das rapide Wachstum und die Professionalisierung der Public Relations, die ungeplanten Folgen der rasanten Digitalisierung, darunter das Fehlen eines Geschäftsmodells für den Journalismus, Echokammern im Netz sowie die Algorithmen als neue Schleusenwärter in der öffentlichen Kommunikation. Eine strategische Rolle spielen die allmächtigen IT-Giganten, die sich nicht in ihre Karten gucken lassen möchten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2018
Thomas Thiel liest Stephan Russ-Mohls Studie über Medienkrise, Fake-News und Gratiskultur mit Gewinn. Kenntnis- und "detailreich" kann ihm der Kommunikationswissenschaftler erläutern, wie es durch finanzstarke und zunehmend mächtiger werdende PR-Abteilungen zu einem Machtgefälle vom Journalismus zur PR kam, durch Native Advertising die Grenzen zwischen Nachricht und Werbung verwischt wurden, zugleich aber auch durch eine "angepasste Berichterstattung" wie er meint, etwa im Hinblick auf Flüchtlings-, Eurokrise und Steuerflucht, Vertrauen in traditionelle Medien verspielt wurde. Ein "existenzsicherndes Digitalmodell" steht immer noch aus, liest der Kritiker, der sich mit Russ-Mohl einig ist, dass auch Mäzenatentum und staatliche Alimentierung keine Lösungen für den wirtschaftlich angeschlagenen Journalismus sind.
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