Stephan Lessenich (Hg.), Frank Nullmeier (Hg.)

Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft

Cover: Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783593381909
Kartoniert, 374 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Die Rede vom geteilten Deutschland lässt uns spontan an den Ost-West-Konflikt denken. Doch Deutschland bietet ein Bild vielfältiger sozialer Gegensätze - ob arm versus reich, alt versus jung oder erwerbstätig versus arbeitslos. Welche Gräben durchziehen unsere Gesellschaft und wie bestimmen sie die künftige soziale Entwicklung in Deutschland? Deutschland hallt wider von Kassandrarufen zur Zukunft der Nation. Überwiegend beruhen sie auf journalistischen Eingebungen oder dem politischen Kalkül unterschiedlicher Interessengruppen. Sozialwissenschaftliche Gegenwartsdiagnosen dagegen spielen in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle: ein Mangel, den dieses Buch beseitigt. Namhafte Autorinnen und Autoren haben in 20 Essays ein Bild der deutschen Gesellschaft gezeichnet, und zwar entlang der Gegensätze, die auch im Alltagsverständnis die Wahrnehmung der sozialen Welt prägen: arm/reich, erwerbstätig/arbeitslos, alt/jung, Eltern/Kinderlose, gläubig/ungläubig, Deutsche/Nichtdeutsche, Ost/West, Nord/Süd, Frauen/Männer, Gewinner/ Verlierer, Kapital/Arbeit u. a.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.05.2007

Als eines der "wichtigsten politischen Sachbücher der vergangenen Jahre" würdigt Rezensent Warnfried Dettling diesen Sammelband, den die Sozialwissenschaftler Stephan Lessenich und Frank Nullmeier herausgegeben haben. Die Analyse der gegenwärtigen Situation der deutschen Gesellschaft, die Einleitung und die siebzehn Beiträge des Bands präsentieren, hat ihn rundum überzeugt. Den Autoren gelingt es seines Erachtens, die sozialen Spaltungen, Spannungen und Ungleichheiten zwischen Arm und Reich, Kapital und Arbeit, sicher und prekär, beweglich und unbeweglich, Gewinnern und Verlierern, Ost und West, Frauen und Männern, Eltern und Kinderlosen zu analysieren und die dahinter liegenden Muster freizulegen. Er attestiert den Autoren dabei, weder die Situation zu verharmlosen noch einer neuen Klassengesellschaft das Wort zu reden. Deutlich wird für ihn vielmehr der Zerfall der Gesellschaft in konkurrierende Lager und Gruppen, die außer ihrem Konkurrenzdenken nicht mehr viel gemein haben. Dass die Autoren kaum über Zukunftsperspektiven nachdenken, mag Dettling dem umfassenden Werk nicht verübeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.11.2006

Nach Rezensent Dieter Rulff zeichnet sich die deutsche Gesellschaft nicht mehr durch ein Hauptproblem, sondern durch eine Fülle von Konflikten und Gegensätzen aus, denen dieser Sammelband mit seinen einzelnen Beiträgen Rechnung trägt, wie er findet. Die Herausgeber Stephan Lessenich und Frank Nullmeier bieten zwar keine gesamtgesellschaftliche Theorie an, in den einzelnen Texten von 15 Autoren werden aber die Widersprüche der Gesellschaft wie Armut und Reichtum oder die unterschiedlichen Bildungsniveaus und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen benannt und analysiert, so Rulff. Er empfiehlt, die Lektüre vom letzten Kapitel aus beginnen zu lassen, weil dann deutlich wird, dass das Buch einer "Gewinner/Verlierer"-Logik folgt, die sich an den Triebkräften des "Marktkapitalismus" orientiert und die eine neue "Klassengesellschaft" skizziert, resümiert der Rezensent mit Interesse.
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