Der Geheimbund der Illuminaten – 1776 an der Universität Ingolstadt von Adam Weishaupt gegründet, 1784 von den bayerischen Behörden aufgedeckt – ist ein buchstäblich "verrücktes" Geschichts-Objekt, das bereits den Zeitgenossen in mehr als einer Hinsicht Rätsel aufgab. Während sich bisherige Forschungen auf die Frage nach der Bedeutung der Geheimbünde konzentriert haben, versucht Gregory, die Welt der Illuminaten aus den Mechanismen ihres Funktionierens zu rekonstruieren, d.h. aus den meist unbeachteten Erkenntnispraktiken und technischen Infrastrukturen, die sie organisieren. Auf diese Art "von unten", von den elementaren Praktiken des Wissens und der Kommunikation her betrachtet, gibt sich der Illuminatenorden als eine subjektpolitische Experimentalanordnung zu erkennen. Ein Geheimlabor der Moderne, in dem bereits zu Zeiten des Ancien Regime die neuen Kommunikations-, Überwachungs- und Selbsterfahrungsprozeduren des bürgerlichen Zeitalters erprobt werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Rezensent Lorenz Jäger weiß Stephan Gregorys kulturwissenschaftliche Abhandlung über den Illuminatenorden zu schätzen. Anders als viele andere, oft etwas platte Bücher zum Thema Geheimbünde zeichnet sich dieses Werk für ihn durch ein "avanciertes Analyseinstrumentarium" aus. Ja, er attestiert dem Autor, "mit allen Wassern der neueren französischen Theorie" gewaschen zu sein. Jäger referiert über die Gründung des Ordens durch Adam Weishaupt 1776 in Ingoldstadt und berichtet über seine politische Ausrichtung und seine Prinzipien sowie über seine Organisation. Das Buch scheint Jäger insgesamt überaus instruktiv und stimulierend. Allerdings hält er dem Autor vor, sein Thema durch "kulturwissenschaftliche-luftige Ironie" gelegentlich zu verharmlosen. Zudem wirkt das Inhaltsverzeichnis mit Überschriften wie "Die Stunde der List", "Löwe und Fuchs", "Offen und geheim" auf ihn etwas zu "träumerisch-jeanpaulisch".
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