Wissen, so lautet die unausgesprochene Maxime der Humanisten und Polyhistoren der Frühen Neuzeit, kann man nie genug erwerben. Riesige Bibliotheken und Kunstkammern sowie voluminöse Abhandlungen, Geschichtswerke und Enzyklopädien geben noch heute eindrucksvoll Rechenschaft von dieser Leidenschaft. Doch wächst mit der Größe jeder Sammlung auch die Notwendigkeit ihrer Ordnung. Es ist daher kein Zufall, dass Ordnung zum Schlüsselbegriff des humanistischen Enzyklopädismus aufgestiegen und zum Gegenstand hartnäckiger Auseinandersetzungen unter den Gelehrten geworden ist. In Steffen Siegels Untersuchung werden die vielfältigen philosophischen Versuche, die Fülle des Wissens systematisch zu ordnen, nicht allein anhand der Überlieferung von Texten rekonstruiert. Im Zentrum dieser reich illustrierten Studie, die bei mittelalterlichen Wissenspraktiken ihren Ausgang nimmt, sich insbesondere den vielschichtigen Bildkulturen des 16. und 17. Jahrhunderts widmet und einen Ausblick auf moderne Visualisierungstechniken bietet, steht die faszinierende Vielfalt jener Bilder, die Ordnungen des Wissens als sichtbare Figuren vor Augen rückten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2009
Angetan zeigt sich Daniel Jütte von Steffen Siegels Dissertation über Figuren der Ordnung "Tabula". Im Zentrum der Untersuchung sieht er Versuche der frühen Neuzeit, die mit dem Buchdruck entstandene Flut des Wissens mit Hilfe visueller Darstellungen systematisch zu ordnen. Interessant findet er hier ein Werk des französischen Landadligen Christophe de Savigny mit dem Titel "Tableaux accomplis de tous les arts liberaux?, das den gesamten Wissenskosmos der damaligen Zeit mittels Diagramme zu einem "visualisierten System enzyklopädischen Wissens? (Siegel) zusammenstellt. Besonders gefallen hat Jütte die hochwertige Reproduktion der kompletten "Tableaux? im Tafelteil des Buchs. Das und die vielen anderen Illustrationen machen den Band für ihn geradezu zu einer "Augenweide?. "Wann?, fragt der Rezensent abschließend, "kann man das schon von einer theoriegesättigten deutschsprachigen Doktorarbeit behaupten??
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2009
Fasziniert hat Rezensent Markus Wild die Diagramme der Wissensordnung betrachtet, die Steffen Siegel in diesem Buch präsentiert und deren herrlichste für ihn mit Abstand Savignys "Tableaux accomplis de tous les arts liberaux" sind. Sechzehn Tafeln verzeichnen "visuell attraktiv" in Bild und Text, in Ovalen und binären Verzweigungen, die Disziplinen des Wissens von der Grammatik bis zur Theologie, wie der Rezensent schwärmt. Vom theoretischen Teil ist Wild allerdings nicht so begeistert wie von den Abbildungen. Hier stört er sich an Wiederholungen und manchmal "bemühten" Beschreibungen, vor allem aber an einem theoretischen Unterbau, der ihm doch recht tönern vorkommt. Hier vermisst Wild Eigenständigkeit, Trennschärfe und Analyse.
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