Steffen Popp

118

Gedichte
Cover: 118
Kookbooks Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783937445847
Taschenbuch, 144 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit Illustrationen von Andreas Töpfer. Im Jahr 2016 weist das Periodensystem der Elemente 118 benannte, nachgewiesene chemische Elemente aus, davon sind achtzig stabil, ein gutes Dutzend instabil, aber natürlich auf der Erde vorkommend, und alle übrigen Schöpfungen der Teilchenphysik, die sich mit deren Werkzeugen für - zunehmend kleinere - Bruchteile von Sekunden herstellen lassen. Dieser streng-schönen Ordnung ihrer materiellen Grundbausteine steht eine unüberschaubar-verworrene Vielfalt von Gegenständen und Lebewesen, Phänomenen und Prozessen gegenüber, an deren Bestimmung und Vermittlung sich Sprache abarbeitet, sie in ihren Vokabularen spiegelt und verwandelt. Ziel und Spiel dieses Buches ist es, eine "elementare" Auswahl dieser Gegenstände poetisch zu fassen - von Salz bis Esprit, von Monster bis Flaum, von Parallelerde bis Kresse und Zeug. Ein solches Inventar ist unabschließbar und entsprechend Fragment, jeder Gegenstand verweist auf andere, die nicht aufgenommen wurden, und kann selbst im Gedicht nur von einigen Seiten angespielt werden, während weitere Zugänge eingefaltet im Hintergrund bleiben. Wandgroße Begriffsnetze, die während der Arbeit an 118 entstanden, rufen Bilder von Sternhimmeln auf; die Gedichte ihrerseits Bilder von Fenstern, die, aus unterschiedlichen Räumen erleuchtet und sie dem Blick öffnend, in nächtlichen Fassaden Lichtmuster bilden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2017

Tobias Lehmkuhl hält Steffen Popps Gedichte für alltagstauglich für jede und jeden. Lustvoll und komisch, knapp und dicht verhandeln die Texte laut Rezensent alles und nichts auf kleinstem Raum, schlagen Schneisen ins Wortgestöber, wie er schreibt. Für Lehmkuhl eine Art Bilanz, die der Autor in seinem vierten Gedichtband zieht, indem er die elementaren Bezugsgrößen seines Dichtens ins Zentrum stellt: Erde, Feuer, Luft, Purpur oder Semantik. Dass den Dichter die dahinter stehenden Hallräume interessieren, ist Lehmkuhl klar. Als ein Laborant, so der Rezensent, lässt Popp die Wörter und Begriffe miteinander reagieren. Der Vorgang wie auch das, was dabei herauskommt, scheinen Lehmkuhl durchaus preiswürdig.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Fasziniert und hingerissen zeigt sich Christian Metz von Steffen Popps neuem Gedichtband. Die chemische Rahmung (die 118 des Titels steht für die Anzahl der Elemente im Periodensystem) gefällt dem Rezensenten ebenso wie der Umstand, dass sich Popp an die eigenen Vorgaben nicht sklavisch hält: so findet Metz im Band lediglich 106 Gedichte. Einige dieser Rahmen fungieren laut Rezensent eben als "Klinken, die das Textfenster öffnen", während andere dazu dienten, den Rahmen zu sprengen. An Goethes "Wahlverwandtschaften" und Houellebecqs "Elementarteilchen", aber auch an Novalis und Schlegel muss der Rezensent bei dieser gelungenen Verquickung von Naturwissenschaft und Literatur denken, eine so erhellende wie humorvolle "Poetik des trial and error", schwärmt Metz.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2017

118 Elemente umfasst zur Zeit das Periodensystem, erklärt Rezensent Roman Bucheli, der Steffen Popps wunderbar "knappe" und formal strenge Gedichte als ebenso "elementare Kernbestände der imaginären Sphäre" liest. Mit dem Dichter begibt sich Bucheli auf eine Entdeckungsreise durch die Welt, betrachtet Sichtbares und Unsichtbares durch die lyrische Lupe und lernt in Popps Wortneuschöpfungen und Sprachexperimenten nicht nur eine "komplementäre" Sicht auf die Dinge, sondern auch ganz neue Facetten der Sprache kennen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2017

Rezensent Andreas Puff-Trojan hat sich gern von Steffen Popps "lyrisch-wissenschaftlicher Hexenküche" verzaubern lassen. Fasziniert stürzt sich der Kritiker in Popps imaginations- und assoziationsreiches Spiel mit (Sprach-)Elementen, bewundert, wie er mit Bedeutungsebenen jongliert und neue Worte für Unsagbares schafft und staunt, wie der faustsche Dichter jenseits des "tagtäglichen Wortschwalls" geradezu alchimistisch sprachliche Funken schlägt. Mehr geht nicht, schwärmt der Kritiker, der bei Popp lernt, dass die Sprache die "Welt im Innersten zusammenhält".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2017

Eine "Alchemie der Sprache" meint Rezensent Daniel Jurjew in Steffen Popps Sprachkunst zu erkennen, in der er naturwissenschaftliche Zeichen- und Begriffssysteme in eine gewinnbringende Verbindung mit Elementen aus der Märchen- und Mythenwelt bringt. Die scheinbar ähnlich aufgebauten Gedichte in "118" verbinden zwar einige formale Gemeinsamkeiten, doch unterscheiden sie sich stark in ihren Inhalten, lesen wir, sodass am Ende ein schillerndes Gesamtbild, ein Mosaik aus klanglichen Effekten, Assoziationen, Bildern und Reflexionen entsteht. Bereichert werden Popps Gedichte durch Randnotizen, beigefügte Motti und Listen, eine von Popps "klugen Strategien", um die Texte um verschiedene Lesarten zu erweitern ohne sie zu überladen, bemerkt der beeindruckte Rezensent.
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