Stefan Laube

Von der Reliquie zum Ding

Heiliger Ort - Wunderkammer - Museum. Habil.
Cover: Von der Reliquie zum Ding
Akademie Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783050049281
Gebunden, 592 Seiten, 89,90 EUR

Klappentext

Das Christentum nimmt zur materiellen Kultur eine ambivalente Haltung ein. Einerseits schöpft es sein Selbstverständnis aus der Ablehnung oder Domestizierung idolatrischer Praktiken, andererseits greift es in vielfältiger Weise auf einen Kult der Dinge zurück. In exemplarischen Untersuchungen der christlichen Dingkultur vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert behandelt Laube jene Räume und Praktiken, die ein Nahverhältnis von Mensch und Ding herstellen. Ohne die unmittelbare Anmutung der Dinge sind weder die im Kirchenraum ausgestellten Exotika noch die eklektisch gestalteten Reliquiare in den Heiltumssammlungen denkbar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2013

Das Ding ist kein Dingsbums, erklärt Thomas Steinfeld. Ersterem hat der Historiker Stefan Laube ein Buch gewidmet: "Von der Reliquie zum Ding". Was es mit dem Ding auf sich hat, ist, dass es damit etwas auf sich hat; wir reden dann von Dingen, wenn wir etwas getrennt von seiner Umgebung erkennen und mit einem Zweck verbinden, erfährt der Rezensent von Steinfeld. Es kann aber auch passieren, dass wir aus Dingen nicht nur ihren Zweck herauslesen, sondern auch etwas in sie hinein. Genau in diesen Momenten, wenn die "Differenz zwischen Herauslesen und Hineinlesen" verwischt, können Dinge eine eigenwillige Rolle einnehmen. Sie werden zu Reliquien oder in Museen ausgestellt, finden sich in Sammlungen wieder, werden gefürchtet, bestaunt, angebetet, fasst der Rezensent zusammen. Hinter Laubes Ausführungen vermutet Steinfeld auch eine polemische Absicht: der Autor wolle zeigen, dass es nie eine "wirkliche" Säkularisierung gegeben hat und dass wir noch immer von der Aura der Dinge fasziniert werden. Da auch im vorliegenden Buch eine wissenschaftliche Reflexion auf diese Faszination möglich zu sein scheint, findet der Rezensent die These des Autors allerdings etwas widersprüchlich - und eine "Dingwissenschaft", wie Laube sie fordert, hält Steinfeld für die Spielerei einer Geisteswissenschaft, die "ihr Heil im Konkreten sucht".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2012

Rezensent Daniel Jütte spürt den Drang zur Theoriebildung allzu deutlich in diesem Band des Kulturwissenschaftlers Stefan Laube. Der Autor nimmt sich der Frage an, inwieweit der Protestantismus es unternahm, das Sakrale visuell und haptisch zu fassen, und bringt Beispiele, etwa die Luther-Relikte. Die Fragestellung findet Jütte nicht ganz neu, allerdings merkt er rasch, dass Laube mehr will. Nämlich die Erkundung des christlichen Menschen und seines Verhältnisse zum sakralen und zum post-sakralen Ding im Zeitraum vom Mittelalter bis ins späte 19. Jahrhundert. Ehrgeizig der Plan, schlüssig der Aufbau des Buches, reich seine Illustrationen, Beobachtungen und Funde, findet Jütte. Und dennoch: Eine neue Dingwissenschaft, wie der Autor es möchte, kann der Rezensent hier nicht erkennen und auch kein Standardwerk. Zu ausgetreten oft die vom Autor gewählten Pfade, etwa zu groß auch sein Vertrauen in das gelehrte Wort.

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