Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2000
Reiner Hausherr legt in seiner sehr positiven Besprechung dieses Bandes, den er als gelehrt und zugleich schön bezeichnet, zunächst dar, dass die Heiligenschreine in der Kunst der Hochmittelalters eine zentrale Bedeutung hatten. Hier wurden in kostbaren Gefäßen, die in der Form zumeist an kleine Häuser erinnern, vermeintliche Reliquien von Heiligen aufbewahrt. Meist werden sie in den Kirchen aber meist so gezeigt, dass man sie kaum näher betrachten kann, erläutert Haussherr. Auch die Kunstgeschichte scheint sich nur am Rande mit diesen "bedeutendsten Werken der Goldschmiedekunst" befasst zu haben. Um so mehr begrüßt Haussherr, dass der Deutsche Verein für Kunstwissenschaft nun ein mehrbändiges Werk über die wichtigen Heiligenschreine vorlegen will, das mit dem vorliegenden Band eröffnet wird. Hier geht es nach Hausherr um eine besondere Spezialität der Heiligenschreine - nämlich die antiken Gemmen und Kameen, also reliefartig geschnittenen Schmucksteine, mit denen die Schreine verziert wurden, und um die Frage, wie diese Darstellungen antiker Götter und Könige in die christlichen Kunstwerke integriert wurden. Die Arbeit Erika Zwierlein-Diehls über die Gemmen und Kameen des Dreikönigenschreins lobt Haussherr dabei in den höchsten Tönen. Die Katalogtexte dieser Expertin für antike Glyptik, die sch aber im christlichen Mittelalter genauso gut auszukennen scheint, seien verständlich und spannend geschrieben, ihre Interpretationen zuweilen gar wagemutig, aber immer durch Gelehrtheit grundiert.
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