Klappentext

Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2014

Von Sofi Oksanens neuem Roman "Als die Tauben verschwanden" ist Rezensentin Katharina Teutsch nicht ganz überzeugt. Die Geschichte um die Cousins Roland und Edgar, die sich auf unterschiedliche Weise im Zweiten Weltkrieg in Estland mit Nationalisten, Partisanen, Genossen und Nazi-Schergen auseinandersetzen, fordert der Kritikerin im Laufe der Handlung doch etwas zu viele Opfer, als dass der Roman sonderlich differenziert erscheinen kann. Einen Spionage-Thriller liest die Rezensentin hier ebenso wie eine Dreieckgeschichte um einen Wehrmachtssoldaten, der sowohl mit Edgar als auch mit seiner Frau anbändelt. Dabei bleiben ihr die Figuren in ihrer Bedeutungsschwere allerdings leider zu blass. Und so muss sie schließlich gestehen, dass der Roman, trotz des Verdienstes, ein wenig beleuchtetes Kapitel jüngerer Zeitgeschichte zu behandeln, kein großer "literarischer Wurf" ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2014

Andreas Breitenstein will der Autorin nicht die Lorbeeren stehlen. Sich mit seinem zweiten Roman derart rückhaltlos in die Geschichte des real existierenden Sozialismus zu stürzen, hält er für ein mutiges Unterfangen. Dass dem finnischen Literatur-Popstar Sofi Oksanen in diesem Buch nicht alles gelingt, möchte er deshalb zwar benennen, aber keineswegs als vernichtendes Urteil verstanden wissen. Da ist die politische Stoßrichtung des Romans, seine mit der jüngeren Geschichte Estlands aufgerufene historische Gemengelage, die das Buch laut Breitenstein kompliziert und es der Autorin schwer macht, bei aller packenden, nichts beschönigenden  Schilderung auch noch glaubhafte individuelle Figuren zu schaffen. Und da ist eine Dramaturgie, die Perspektiven und Zeiten vermischt, sodass der Rezensent sich am Ende kaum noch auskennt, zumal, wie er schreibt, das noch im Vorgängerroman gut funktionierende Ineinander von Symbolik und Erzählung nicht überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.08.2014

Für Thomas Steinfeld ist dieser Roman der finnischen Autorin Sofi Oksanen beileibe kein Meisterwerk. Im Gegenteil sieht Steinfeld hier einen Irrationalismus, der Nation und Natur miteinander gleichsetzt fröhlich sich zuspitzen, wenn die Autorin allegorisch überdeutlich und melodramatisch süß das Schicksal Estlands als Spielball seiner Nachbarn verhandelt. Dass die Charaktere im Buch entsprechend flach bleiben, wundert Steinfeld nicht sonderlich. Dass eine Autorin und ein Buch, die auf derart tendenziöse Weise völkische Fantasien bedienen, gefeiert werden, versteht er hingegen überhaupt nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.08.2014

Im Zentrum von Sofi Oksanens 1941 im sowjetisch besetzten Estland spielenden Roman steht laut Sylvia Staude die Frage nach der Charakterfestigkeit in Zeiten der Diktatur. Obgleich die Haltung der Autorin zu ihrem Thema für Staude unzweifelhaft ist, scheint ihr die Atmosphäre im Text geprägt von Unsicherheiten. Wie sich Oksanen weniger um Zeitkolorit schert, als um die Gefühlszustände ihrer Figuren, und besonders des im Mittelpunkt der Handlung stehenden Kollaborateurs, hat Staude überzeugt. Ebenso die Mischung aus nüchternem Erzählton und unvermittelt auftauchenden originellen Bildern.