Sloan Wilson

Der Mann im grauen Flanell

Roman
Cover: Der Mann im grauen Flanell
DuMont Verlag, Köln 2013
ISBN 9783832196783
Gebunden, 446 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld. Tom und Betsy Rath sind ein junges Paar, sie haben drei gesunde Kinder, ein schönes Zuhause in einem netten Vorort von New York und ein regelmäßiges, wenn auch nicht üppiges Einkommen. Eigentlich haben sie allen Grund, glücklich zu sein. Doch irgendwie sind sie es nicht. Tom pendelt Tag für Tag in die Stadt, wo er einem unspektakulären Bürojob nachgeht. Seit er aus dem Krieg zurückgekehrt ist, hat er sich ohnehin verändert, ist verschlossen und launisch. Betsy fühlt sich unverstanden. Nach einem Karriereschritt hat Tom bald keine Zeit mehr für sein Privatleben. Ist es das, was Tom wirklich will? Als er auf einen alten Kameraden aus dem Krieg trifft, gerät sein Alltag vollends aus den Fugen, Tom muss sich seiner Vergangenheit stellen und eine Entscheidung treffen, die sein Leben grundsätzlich verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2013

Sloan Wilsons "Der Mann im grauen Flanell" ist die überfällige Wiederentdeckung eines Klassikers, freut sich Bernadette Conrad. Hinter dem scheinbaren Familienroman, der im Original schon 1955 erschienen war, versteckt sich ein Antikriegsbuch, und so veraltet die Familien- und Lebenskonzepte der Figuren auch sind, das andere große Thema des Buches ist ungebrochen aktuell, erklärt die Rezensentin. Wilsons Protagonist Tom arbeitet seit dem Krieg in einem Büro und versorgt mehr schlecht als recht seine Familie, innerlich hat er sich aber von sich selbst und seiner Vergangenheit als Soldat distanziert. Er erfüllt nur noch seine diversen alltäglichen Rollen und versucht nach Leibeskräften ein angepasstes Leben zu führen, während seine Ehe an seiner Gefühlsarmut zu scheitern droht, fasst die Rezensentin zusammen. Der Autor erzählt feinfühlig das "Schweigen der Veteranen", das Trauma, die Ratlosigkeit angesichts des bedeutungslosen Einerleis unter Menschen, die tatsächlich noch an die beschauliche Fassade des Alltags glauben, schildert Conrad. Für Tom bleibt allerdings noch Hoffnung, verrät die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2013

Bewundernswert unsentimental trotz Happy End findet Anja Hirsch diesen erstmals 1955 erschienenen Familienroman von Sloan Wilson. Dass der Autor uns in die ferne, gar nicht so ferne Zeit der Drahttongeräte und Flanellanzüge entführt, findet sie amüsant und unterhaltsam. Nicht zuletzt, weil der Autor geschmeidig und lebendig und mit Liebe zu seinen Figuren vom amerikanischen Traum und seinem stillen Scheitern zu erzählen vermag. Revolutionär wie ein Beatnik, gibt Hirsch zu, ist das alles nicht. Doch für die Rezensentin besitzt es eine edle Patina und einen Charme, der aus der Konfrontation mit der Vergangenheit resultiert und aus der Erweckung eines Grundbedürfnisses in uns: dem flanellmäßig zwickenden Verlangen nach Idyllen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2013

Sloan Wilson hat mit seinem Roman "Der Mann im grauen Flanell" versucht, die triste Welt der Angestellten in den USA der fünfziger Jahre darzustellen, samt langweiligem Büroalltag und psychologischen Nachwehen des Krieges, berichtet Nico Bleutge. Herausgekommen sei dabei ein harmoniebedürftiges Buch, das Hollywood-psychologisch seine Charaktere artig aus der Krise führt und dem Leser keine Leerstellen zumutet, stellt Bleutge mit verhaltener Begeisterung fest. Wilsons Protagonist Tom Rath ist im Einsatz als Fallschirmjäger an die "Nullgrenze aller moralischen Vorstellungen" gebracht worden und vegetiert sinnverloren vor sich hin. Auch seine Frau Betsy wirkt lethargisch, versucht aber wenigstens noch sich aus der allzu drögen Gegenwart fortzuträumen, fasst der Rezensent zusammen. Wenn man den bemüht gesellschaftskritischen Anspruch des Buches nicht zu ernst nimmt, kann man sich von diesem Buch trotz des geringen Tiefgangs sicherlich unterhalten lassen, nicht mehr, nicht weniger, meint Bleutge.
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