Louis Auchincloss

Die Manhattan Monologe

Erzählungen
Cover: Die Manhattan Monologe
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832178659
Gebunden, 230 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Angela Praesent. Die Zeit: das 20. Jahrhundert. Der Ort: Manhattan und einige Landsitze. Familienname: Vollard - er könnte jedoch auch Gore oder Rockefeller lauten. Die Erzähler: Seit Generationen vermögende weiße Republikaner. Tätigkeit der Männer: Anwalt, Bankier oder Charmeur. Aufgabe der Frauen: Regentinnen der Familie angesichts viel beschäftigter Gatten und Söhne. Louis Auchincloss lässt einen Vollard nach dem anderen sein Leben bilanzieren. Zum Vorschein kommen gut kaschierte Konflikte oder Tragödien: statt Heldentum Flucht vor dem Kriegsdienst, Ehebruch eines brillanten Schwiegersohns oder die Befreiung eines Sohnes von der hinderlichen Ehefrau im Namen der Familienräson. Scheinbar im gehobenen Konversationston führt sich New Yorks Oberschicht selbst vor, ohne Rücksicht, am wenigstens auf ihre Kaste.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.08.2006

Rezensentin Ulrike Metzner hat die Lektüre dieser "zehn Geschichten über Anpassung und Rebellion" aus der amerikanischen Ostküsten- Elite des vergangenen Jahrhunderts als "zartbitteres, herbstliches Vergnügen" empfunden und sich beim Lesen manchmal wie beim Blättern in alten Fotoalben gefühlt. Die in den Erzählungen beschriebenen Konflikte haben sie immer wieder bewegt. Sie erscheinen ihr aber wohl auch schon ein bisschen aus der Zeit zu fallen. Hier wird, lesen wir, von Söhnen, Ehefrauen, Schwiegertöchtern, Patriarchen und ihren Deformierungen erzählt, die der schablonierte US-amerikanische Oberschichts-Standpunkt ihnen aufgezwungen hat: Harte Väter, weiche Söhne, Frauenkomplexe angesichts mächtiger Väter und reicher Ehemänner, umreißt die Rezensentin inhaltlich das Themengebiet der Geschichten, die sie gekonnt erzählt findet. Minuspunkt: manchmal wird in Louis Auchincloss? erzählerischer Meisterschaft das Schwere manchen Schicksals so leicht, dass die Rezensentin über "manchen emotionalen Abgrund" fast hinweg gelesen hätte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2006

Rezensent Christoph Schröder ist begeistert von Louis Auchincloss' "Manhattan Monologen", die in zehn Episoden aus dem Leben der Oberschicht der Ostküste erzählen. Auchincloss, der diesem Milieu selbst angehört, beweise in seinen Erzählungen, dass er eine hervorragende Beobachtungsgabe mit einer "von Erfahrungsreichtum, Eleganz, Sinnlichkeit und Noblesse gesättigten" Sprache zu kombinieren versteht. Und obwohl die "Manhattan Monologe" die gesellschaftlichen Zwänge in der Welt der Schönen und Reichen offenlegt, geschehe dies nicht auf eine überhebliche Art, lobt der Rezensent. Schröder hofft, dass die Übersetzung der Erzählungen ins Deutsche Auchincloss dazu verhilft, auch hierzulande bekannter zu werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2006

Wie intim die Milieukenntnis des Autors sein muss, darauf gibt Annette Zerpners Besprechung einen Hinweis. Schließlich referiert sie jede Menge Fakten über das gesellschaftliche Leben an Amerikas Ostküste. Gelesen hat sie darüber bei Louis Auchincloss. Und sie hat (trotz der von ihr monierten "umständlichen" Übersetzung) einen Ton vernommen, den sie schätzt: einen, der "Unstimmigkeiten und Abgründe" aufzeigt, ohne die Figuren vorzuführen. Das mag leidenschaftslos erscheinen, Zerpner jedoch spürt in den zehn monologisch angelegten Lebensrückschauen die Tonschwankungen, die bisweilen von historischen Veränderungen künden. Nicht immer findet sie solchen Zeitbezug gelungen; einen Chronisten wie Henry James will sie in Auchincloss nicht erkennen. Und wartet für größeren Genuss lieber auf eine Übersetzung seiner "Collected Stories" von 1994.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2006

Rezensent Klaus Harpprecht steht voller Bewunderung vor dem diesem Roman des fast 90-jährigen Louis Auchincloss und hofft, dass der Autor mit "Die Manhattan Monologe" endlich von einer breiteren Leserschaft entdeckt wird. In den zehn Geschichten beleuchtet der Autor die Oberschicht der Ostküste, der er selbst angehört, weshalb er so gut über deren "Manierismen", "Intimitäten", "Tugenden" und "Melancholien" Bescheid weiß, wie der Rezensent glaubt. Nicht zuletzt sein Hauptberuf in einer großen Wall-Street-Anwaltskanzlei habe dem Autor Einblicke in die Familien des alten Geldadels und der Neureichen gewährt, und damit Gelegenheit gegeben, den "amerikanischen Kapitalismus" scharf in den Blick zu nehmen, meint Harpprecht. Nicht nur erwiesen sich in den Geschichten die Frauen als das eigentlich starke Geschlecht, Auchincloss mache in seinem Buch auch deutlich, dass das "alte Geld liberal, das neue Geld konservativ" denkt, stellt der Rezensent interessiert fest. Er würdigt den Autor als "Chronist einer versinkenden Welt" und ist sich sicher, dass seine Werke die seiner amerikanischen Kollegen Gore Vidal, Tom Wolfe und Norman Mailer "überdauern" werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2006

Ein beeindruckendes Porträt der New Yorker Upper-Class und ein Jahrhundert-Panorama des Big Apple habe Louis Auchincloss mit seinen Erzählungen geschaffen, schwärmt Susanne Ostwald. Das mag sicherlich daran liegen, dass der Autor selbst in der Gesellschaft von "kapriziösen Park-Avenue-Prinzessinnen und geldmächtigen Fith-Avenue-Fürsten" zu Hause ist, die zwar den schönen Schein bewahren, sich aber immer auf "gefährlich dünnem Eis" bewegen: Etwa wenn sie zwanghaft auf Status und Familienerbe bedacht sind oder sich standesgemäß aber unglücklich vermählen. Wie Auchincloss mit viel "psychologischem Gespür seine Figuren ergründet, ihre Widersprüche und Selbsttäuschungen aufdeckt", nicht um sie vorzuführen, sondern um ihnen den Weg zur Selbsterkenntnis zu öffnen - das sei schon bemerkenswert, findet die Rezensentin. Und auch, wie es dem Autor gelinge, Frauen als die "eigentlichen Strippenzieher" der feinen Gesellschaft darzustellen, ohne dabei in irgend einer Form "misogynes Misstrauen" aufscheinen zu lassen.