Siri Hustvedt

Die gleißende Welt

Roman
Cover: Die gleißende Welt
Rowohlt Verlag, Reinbek 2015
ISBN 9783498030247
Gebunden, 496 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller. "Die gleißende Welt" ist der Titel eines utopischen Romans von Margaret Cavendish, die im 17. Jahrhundert als eine der ersten Frauen überhaupt unter ihrem eigenen Namen publizierte. Als frühe Universalgelehrte ist sie Vorbild und Idol von Harriett Burden, der Witwe eines einflussreichen New Yorker Galeristen. Nach dessen vorzeitigem Tod in den siebziger Jahren beginnt Harriett - in der öffentlichen Wahrnehmung nichts als die Frau an der Seite des berühmten Mannes, aber in Wahrheit hochtalentiert - ein heimliches Experiment: eine Karriere als Installationskünstlerin, die sich hinter dem angeblichen Werk dreier männlicher "Masken" verbirgt, das in Wahrheit sie selbst erschaffen hat. Doch der Faustische Handel schlägt fehl - einer dieser Maskenmänner, selbst ein bekannter Künstler, durchkreuzt ihr Rollenspiel und setzt sein eigenes dagegen, und es kommt zum Kampf zweier großer Geister.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.07.2015

Für Katharina Granzin liegt der besondere Reiz von Siri Hustvedts Künstlerinnenroman in der Art und Weise, wie die Autorin sich dem Vorwurf einer schlichten Nabelschau der New Yorker Kunstszene und wohlfeilen genderpolitischen Positionierung entzieht. Indem Hustvedt eine widersprüchliche Hauptfigur erschafft, das Thema eines männlich dominierten Kunstbetriebs spielerisch und mit einer Vielfalt von literarischen Formen (wissenschaftliche Materialsammlung, Tagebuch), Stimmen und Perspektiven angeht und geschickt Leerstellen setzt, meint Granzin, erhält der Roman Größe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.06.2015

Judith von Sternburg hat kein Problem mit einer extrem gebildeten Heldin in diesem offensichtlich raffiniert konstruierten Roman von Siri Hustvedt. Wenn die Protagonistin mit Lesefrüchten von Aby Warburg bis Judith Butler protzt, schaut Sternburg zu ihr hoch. Ebenso respektabel erscheint ihr Hustvedts Haltung zu einem Kunstbetrieb, den sie im Buch zwar durch Imitation entblößt, doch nicht verspottet. Virtuos, wie die Autorin ihre Geschichte einer Künstlerin zwischen feministischen Positionen und soziologischen Erkenntnissen hindurch vielstimmig und vielfältig zu erzählen vermag und den Text dennoch nicht bersten lässt, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.05.2015

Siri Hustvedt schont den Rezensenten nicht. Claus-Ulrich Bielefeld ächzt unter dem Ballast einer feministisch aktiven Künstlerinnenerzählung, die Kunstbetriebsporträt und philosophischer Essay in einem sein möchte. Dass Hustvedt sich glänzend auskennt in der New Yorker Kunstszene, will Bielefeld allerdings gar nicht bezweifeln, und wenn im Buch fußnotenreich über Rezeptionsästhetik und Geschlechterdifferenz doziert wird, fühlt sich der Rezensent letztlich doch angesprochen und aufgefordert, die Anstrengungen der Lektüre auf sich zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2015

Etwas monströs, aber auch brillant und schließlich gelungen findet Rezensentin Meike Fessmann Siri Hustvedts Versuch, einen Essay über das Künstlerinnendasein unter Männern in Romanform zu gießen. Fragen um Ruhm und Anerkennung stellt die Autorin anhand einer fiktiven Künstlerin-Figur in der New Yorker Szene in der Zeit um 9/11 herum, erläutert Feßmann. Hustvedts Idee, Leben und Werk der Künstlerin mittels Herausgeberfiktion zu präsentieren, scheint der Rezensentin ebenso überzeugend wie die mit einigem diskursiven Aufwand zutage geförderten Wahrheiten, auch wenn der im Buch dargestellte Kunstmarkt eher museal wirkt, wie Feßmann findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2015

Julia Voss ist hellauf begeistert von Siri Hustvedts Roman "Die gleißende Welt", dessen Protagonistin Harriet Burden sie als eine jener Figuren erkennt, die sich einem für lange Zeit ins Gedächtnis eingraben. Das Buch ist einerseits also ein Roman, der die Geschichte einer erfolglosen New Yorker Künstlerin erzählt, die sich vermittels eines Tricks an der Kunstszene rächen will, indem sie ihre Arbeiten drei jungen Burschen unterschiebt, die dann natürlich auch gefeiert werden, während Burden den richtigen Augenblick für ihre "bartlose Überraschung" abwartet, fasst die Rezensentin zusammen. Es ist aber auch ein experimenteller Essay - samt Fußnoten -, der aus zahlreichen Perspektiven einen Kampf gegen das schrittweise Verstummen des Stimmkonzerts in einem Menschen beschreibt, der in eine Rolle gezwängt und als Einheit gesehen wird und sich entsprechend kohärent zu betragen hat, erklärt Voss. Kein Wunder, dass Hustvedt diesen Roman nicht mit bloß einer Stimme schreiben wollte, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.04.2015

Angesichts der diskursverliebten Fußnoten in Siri Hustvedts Roman, angesichts der Anspielungsdichte im Text und des experimentellen Aufbaus aus Erzählfragmenten, fiktiven Zeitungsartikeln und Zeitzeugenberichten fühlt sich Susanne Mayer von "Die gleißende Welt" nicht ausreichend verzaubert. Die Geschichte der so talentierten wie erfolgslosen Künstlerin mit dem laut hallenden Namen Harriet Burden, die sich der männlich dominierten Kunstwelt wegen ein männliches alter Ego entwirft, mag psychologisch und philosophisch komplex sein, die Flucht ins "Heil der fiktiven Rute" einen nach wie vor notwendigen kritischen Impuls geben, aber als Fiktion funktioniert das Buch leider nicht, bedauert die Rezensentin, die lieber einfach Hustvedts Essays läse.