Simone Hirth

Malus

Roman
Cover: Malus
Kremayr und Scheriau Verlag, Wien 2023
ISBN 9783218014106
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Eva googelt: Scheidungsberatung.Was macht Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies? Sie beendet die Missbrauchsbeziehung mit Adam, kommt im Jetzt an und versucht, ihr Leben selbstbestimmt neu aufzubauen.Der Apfel, die Schlange, die Erkenntnis, die Schuld, die Vertreibung, das Leben danach. Was, wenn Eva heute leben würde und sich aus der gewaltvollen Beziehung mit Adam befreien könnte? Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hätte? Simone Hirth nimmt das biblische erste Menschenpaar als Ausgangspunkt für eine Parabel, die unversehens in der Gegenwart landet - toxische Männlichkeit, Arbeitslosigkeit und Scheidungsprozess inklusive. Sie rechnet gnadenlos ab mit dem patriarchalen Erbe unserer Gesellschaft und öffnet die Tür zu einem anderen Lebensentwurf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2024

Rezensentin Anna-Louisa Schönfeld wirkt wenig verblüfft von der irrwitzigen Setzung in Simone Hirths Bibel-Umerzählung: Sie beginnt mit Adam und Eva im Paradies, aber Eva entscheidet sich hier kurzerhand, das Paradies und Adam zu verlassen, landet dabei in der Gegenwart und versucht von nun an, sich mit Hilfe der emanzipierten Maria Magdalena und unter stetiger Bedrängung des sie verfolgenden Adams ein eigenes Leben aufzubauen, wie Schönfeld zusammenfasst. Dabei werde die lange biblische Tradition der Herabsetzung der Frau auf verschiedene Weise unterlaufen: Maria Magdalena referiert etwa ihre Degradierung als Hure von Seiten der Geschichtsschreibung und besorgt für die schwangere Eva eine Hebamme, die in der Bibel als Hexen verteufelt wurden. Außerdem werde Adam bei Hirth zum "Prototyp toxischer Männlichkeit", und auch auf andere Weise setze der Roman klare feministische Marker. Die Kritikerin findet das "empathisch und ironisch" umgesetzt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.11.2023

Feministische Neuerzählungen der antiken griechisch/römischen Mythen kennt Rezensentin Katharina Herrmann viele. Doch wer hat schon versucht, biblische Mythen aus ihren engen Verstrickungen mit den patriarchalen Strukturen von Kirche und Gesellschaft zu lösen und feministisch neu zu erzählen? Simone Hirth! In ihrer Geschichte von Adam und Eva sind nicht die Frau und ihr Sündenfall Schuld an den Übeln der Welt, sondern das durch einen männlichen Gott legitimierte Patriarchat. Die Gewalt an Frauen, die aus diesem System resultiert oder besser gesagt: Teil dieses Systems ist, erlebt Eva am eigenen Leib - als alleinerziehende Mutter im Wien der Gegenwart, wo sie nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies landet, lesen wir. Hirth hält nicht hinterm Berg mit ihrer Absicht, Eva als Stellvertreterin aller Frauen freizuschreiben - von der Schuld, aber auch von den uralten Zuschreibungen durch Männer und ihre Erzählungen. Auch ihre Erzählweise dient diesem Zweck, in der vor allem körperlichen Reaktionen, die lange als "hysterisch" galten, viel Raum gegeben wird. Was Herrmann von dieser eindeutig "politisch engagierten" Literatur hält, verrät sie nicht. Und dass Evas Emanzipationsversuch scheitert, scheint die Rezensentin zwar konsequent, aber auch ein wenig schade zu finden und vorhersehbar.

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