Alte Männer sitzen als vermeintliche Werwölfe im Park, Nixen verlassen das Meer, um sich Stöckelschuhe zu kaufen, ein Tätowierter trägt seine Lieblingsgestalten auf der Haut. Ob monströs-archaische Mischwesen oder Figuren des 21. Jahrhunderts: Kein Körper ist sich seiner Form mehr sicher. Ist es Pech oder Strafe, in ein Tier verwandelt zu werden, wie es die Götter der Griechen den Menschen weismachen wollten? Silke Scheuermann schreibt Phantastisches, Surreales, aber auch Gedichte über die Verwandlung durch Krankheit und Schmerz. Zuletzt zeigen ihre Liebesgedichte, wie der oder die Liebste sich in ein wundervolles Phänomen verwandelt - oder auch nicht. Alles scheint genauso einfach, leicht, selbstverständlich, als würde es über Nacht Winter.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2007
Hingerissen zeigt sich Rezensentin Angelika Overath von diesen Gedichten Silke Scheuermanns, die sie als "heftige und zarte Lyrikerin" würdigt. Ihre Gedichte in "Über Nacht ist es Winter" haben für Overath etwas fließendes, sowohl thematisch - es geht um Verwandlungen - als auch formal. So kommen die Texte in ihren Augen ohne strenge Formgebung, feste Strukturen und gedanklich-essayistische Stützen aus. Stattdessen konstatiert sie eine "kalkulierte Unsicherheit", die sich auf das "Fluktuieren der Bilder" überträgt. Über ihre Beschreibung der Gedichte gerät die Rezensentin regelrecht ins poetische Schwärmen: "Und ein Ich hebt immer wieder an zu singen, mit einer Unbeschwertheit, als gehöre das gerade gefundene Wort schon wieder einem anderen Mund."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2007
Richtig begeistern kann sich Wulf Segebrecht für die Gedichte des jüngsten Lyrikbandes von Silke Scheuermann nicht, obwohl er keinen Zweifel an seinem Vertrauen in ihr Talent aufkommen lässt. Die Gedichte der auch als Prosaautorin hervorgetretenen Scheuermann, die sich vornehmlich um das Motiv der Verwandlung drehen, beziehen ihren Effekt viel stärker aus ihren epischen als aus ihren lyrischen Qualitäten und zeigen durch ihre Länge, den Mangel an Reim und ausgefeilter Metrik eher eine Affinität zur Prosa, meint der Rezensent. Es gibt Verse, die lassen Segebrecht wegen ihrer verrutschten Grammatik auch schon mal laut nach dem Lektor rufen und zudem sind den Versen die Bedingungen ihrer Entstehung derart deutlich abzulesen, dass von der "Selbstverständlichkeit", die die Lyrikerin dem Gedicht eigentlich zuschreibt, nicht viel zu sehen ist, so der Rezensent. Trotzdem betont Segebrecht, dass der Band "manches" geglückte Gedicht aufweist.
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