Vielleicht war Max Weber einer der letzten Universalgelehrten. Zu den Themen seiner Analyse der modernen Gesellschaft gehörten auch die Massenmedien. Das große empirische Projekt, welches er 1910 der deutschen Soziologie zur Vermessung der Medienwelt in die Wiege gelegt hatte, scheiterte. Seine Anregungen aber haben sich seither in vielfältiger Weise in den Diskursen über Medien und Journalismus niedergeschlagen. Die Ergebnisse einer detaillierten Spurenlese werden in dieser Studie präsentiert, die erstmals mit bibliometrischen Methoden durchgeführt wurde. Sie mündet in eine aktuelle Zustandsbeschreibung der Kommunikationsverhältnisse und ihrer Erforschung 100 Jahre nach Weber.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2014
Stephan Ruß-Mohl, Medienprofessor in Lugano, bespricht Siegfried Weischenbergs zweibändiges Max-Weber-Großprojekt "Max Weber und die Entzauberung der Medienwelt" und "Max Weber und die Vermessung der Medienwelt" in einer ausführlichen Doppelkritik nicht ohne Respekt, aber letztlich doch mit einer Menge Einwänden, die einer anderen medientheoretischen Orientierung geschuldet sein mögen. Weischenberg schildert Ruß-Mohl als einen Nachfolger der beiden Großtheoretiker Niklas Luhmann und Jürgen Habermas. Im ersten Band sichte er Webers Erbe theoriegeschichtlich, im zweiten begebe er sich auf die Suche nach Webers Spuren in den Medienwissenschaft. Ruß-Mohl wirft Weischenberger dabei vor, tendenziös zu verfahren und Beiträge wichtiger Medienforscher wie Elisabeth Noelle-Neumann mit ihrer "Schweigespirale" und Emil Dovifat nicht ausreichend zu würdigen. Auch ökonomische Ansätze würden in einem "neuerlichen Eigentor" von Weischenberg abmoderiert. Die Chance zum Neuaufbruch verspiele Weischenberg in seiner Summe leider. Es bleibe beim in dieser Disziplin grassierenden Habermas- und Luhmann-Epigonentum, mit dem die Studenten bis heute gequält würden und der leider zur Provinzialisierung der deutschen Medienwissenschaft geführt habe.
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