Mehr als 10.000 Stellen sind durch die Frauenbewegung entstanden. Statt Kollektivstruktur ist heute wirtschaftliches Denken angesagt, statt Gleichheit Professionalität. Die Journalistin Sibylle Plogstedt schreibt die Geschichte der Projekte von den siebziger Jahren bis heute. "Nur" mit Frauen zu arbeiten war der wohl spektakulärste, aber nicht der einzige historische Tabubruch der Frauenprojekte: Zugleich wurde lebhaft mit Arbeits- und Lebensformen experimentiert. Die Ansprüche aneinander in Sachen Gleichheit, gleicher Lohn und Aufhebung der Arbeitsteilung waren hoch. Das Konfliktpotenzial ebenso. "Kündigungen konnten nicht vorgenommen werden, weil niemand die Macht dazu hatte. Kündigungen erfolgten durch Mobbing", resümiert Sibylle Plogstedt lakonisch. Die Publizistin nähert sich in Gesprächen mit Projektfrauen der Geschichte der Frauenbetriebe im Guten wie im Schlechten.
Mit Sympathie hat Rezensentin Heide Oestreich diese Studie der Mitbegründerin der Zeitschrift "Courage" über Frauenprojekte gelesen. Angenehm daran fand sie besonders die kritische Sympathie, die aus ihrer Sicht den Blick der Autorin auf ihren Gegenstand prägte. Aber auch die Tatsache, dass Sibylle Plogstedt weder Apologetik betreibt, noch übliche Abwehrreflexe bedient, fällt für sie positiv ins Gewicht. Insgesamt bringe die Studie "vergessene Motivlagen" für verschiedenste Projekte wieder ans Licht und stufe die unternehmerische Pioniergeneration zu Recht als gesellschaftliche Avantgarde ein. Aber auch Schwachpunkte, wie Selbstsausbeutung und falsch verstandene Solidarität, weibliche Mobbingstrukturen oder Tabus, wie das Thema Schönheit würden beleuchtet. Als Schwäche der Publikation empfindet die Rezensentin lediglich die "trockene Aufbereitung" der Interviews. Auch bedauert sie, dass die Sympathie der Autorin für ihren Gegenstand dazu führt, dass besonders die Gründe für den Imageabsturz der Frauenbewegung bei den nachgeborenen Frauen nicht genügend konturiert werden.
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