Sibylle Lewitscharoff

Vom Guten, Wahren und Schönen

Frankfurter und Zürcher Poetikvorlesungen
Cover: Vom Guten, Wahren und Schönen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518126493
Kartoniert, 200 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

"Was tut ein Roman, was in kürzerer Form die Erzählung? Mit einem Haifischbiss reißen sie ein Stück aus der Zeit, schnappen sich ein Stück der Schöpfung und bearbeiten es nach Gutdünken." Gleich in zwei Etappen stellt sich Sibylle Lewitscharoff ans Rednerpult, um sich Gedanken über Literatur zu machen: In den berühmten Frankfurter Poetikvorlesungen sowie den Zürcher Poetikvorlesungen 2011 befasst sie sich mit großer Weltliteratur und Schlüsselromanen zweifelhaften Charakters, seziert Figurennamen "Josef K.: auch ein verflucht guter Name!" und Romananfänge, wettert gegen den schnöden Realismus und wirbt für den Auftritt von Engeln und sprechenden Tieren in der Fiktion.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.06.2012

Kristina Maidt-Zinke scheint von der Erkenntnisfülle, die ihr dieser Band mit den Frankfurter und den Zürcher Poetikvorlesungen von Sibylle Lewitscharoff bietet, überwältigt. Zweifel am Guten, Schönen, Wahren lässt sie sich bevorzugt von dieser Autorin auseinandersetzen, die des Komischen, der Ironie, der Klarsicht, der Sprache gleichermaßen mächtig ist, bibelfest überdies, wie die Rezensentin feststellt, die über die hier dargelegten Bezüge zwischen Glauben und Literatur durchaus überrascht ist. Wie Lewitscharoff munter assoziierend Exkurse, Anekdoten und Bekenntnisse nicht zu einem eigenen Werkkommentar, auch nicht zu einer systematischen Poetik, aber zum Vergnügen der Rezensentin zusammenbindet, stimmt Maidt-Zinke glücklich. Polemisch, fügt sie hinzu, sind die Einlassungen zu Bibelübersetzungen, zu Johannes Kerner, zum Regietheater etc. auch. Und voller Lob der Tradition, wenn sie Riesen wie Kafka und Beckett umarmt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2012

Mit Vergnügen hat Rezensent Friedmar Apel Sibylle Lewitscharoffs nun unter dem Titel "Vom Guten, Wahren und Schönen" erschienene Frankfurter und Zürcher Vorlesungen gelesen. Die Autorin, die der Kritiker für ihren Witz und ihre Listigkeit schätzt und hier im besten Sinne als schwäbisches "Käsperle" bezeichnet, mache hier ihrem Unmut gegen den zeitgenössischen Realismus und dessen Vorliebe für das Vulgäre Luft. Während die erzählerische Literatur bei aller Provokation und Skandalfreude nur noch "schwächliche Resultate" hervorbringe, zeige das deutsche Theater eine Gesellschaft von "schreienden Verrückten, die herumbatzen", erfährt der amüsierte Kritiker. Und nachdem auch Martin Walser nur noch mit "hochnotpeinlichen alterssexelnden Suaden" von sich Reden mache und Elfriede Jelinek zur "Kalauermaschine" geworden sei, rate Lewitscharoff doch lieber zur Lektüre von Homer, Ovid, Dante, Goethe oder Kafka. Der Rezensent kann hingegen erstmals die Lektüre dieses äußerst unterhaltsamen Bandes empfehlen.