Sibylle Herbert

Diagnose: unbezahlbar

Aus der Praxis der Zweiklassenmedizin
Cover: Diagnose: unbezahlbar
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006
ISBN 9783462037104
Gebunden, 294 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Sibylle Herbert bricht ein Tabu. Sie spricht aus, was niemand zu sagen wagt: Medizin ist ein knappes Gut, zu dem längst nicht mehr jeder Zugang hat. Opfer ist der Patient, der eine optimale Behandlung erwartet, aber sie längst nicht immer erhält. Eine Frau, 78 Jahre alt, hat einen fortschreitenden Lungenkrebs. Ein neues Krebsmedikament könnte ein Jahr Überleben bringen. Die Kasse lehnt die Übernahme der Kosten ab. Wie viel darf ein Jahr Überleben kosten? Knochenschwund-Untersuchungen - viele Jahre von den Kassen übernommen - zahlt inzwischen der Patient selbst. Wird Früherkennung unbezahlbar? Krankengymnastik hilft Rheumapatienten. Dauerhaft. Aber das Budget des Arztes ist begrenzt - und deshalb auch der Anspruch auf Krankengymnastik. Ein teureres Schmerzmittel bringt chronisch Kranken Linderung. Dem Arzt droht die Zahlung aus der eigenen Tasche. Krankenhäuser schicken Kranke zu früh nach Hause, empfehlen teure Medikamente und verlagern die Ausgaben in die Praxen. Bestimmte Untersuchungen, Medikamente und Therapien sind für gesetzlich Versicherte längst tabu. In Facharztpraxen und Krankenhäusern sind Privatpatienten willkommen, Kassenpatienten werden gerne vertröstet oder gar nicht mehr angenommen. Dabei werden Politiker nicht müde zu beteuern: Jeder bekommt in Deutschland die Versorgung, die medizinisch ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Doch wer entscheidet das?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.02.2007

Rezensentin Annette Jensen ist enttäuscht. Zwar liste die Autorin lange Klagen über die deutsche Zweiklassenmedizin auf. Nur auf Analyse werde gänzlich verzichtet. Das beginnt für die Rezensentin schon mit der Recherche, die sie nicht besonders überzeugt. Die Autorin hat ihrem Eindruck zufolge lediglich das Gejammer in deutschen Wartezimmern protokolliert, Kaffeevorlieben von Ärzten inklusive. Doch bleiben ihre weiteren Quellen der Rezensentin ebenso verborgen, wie klare politische Aussagen. Weder würden Verantwortliche noch Gründe für die Missstände benannt, außer dass "nebulös" vom "Staat" oder der "Politik" geredet werde. Nicht einmal die Pharmaindustrie als "zentraler Profiteur" der Misere noch die "Kassenärztliche Vereinigung" würden näher betrachtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2006

Erhellend findet Rezensent Robert Jütte diese engagierte Reportage über das deutsche Gesundheitswesen, die Sibylle Herbert vorgelegt hat. Der Autorin gelingt es seines Erachtens, anschaulich vor Augen zu führen, dass die Zweiklassenmedizin in Deutschland längst gang und gäbe ist. Wie er berichtet, führt Herbert für diesen Befund eine niedergelassene Hausärztin im Rheinland und einen Leiter einer Krankenkassengeschäftsstelle als Kronzeugen an, die bereit waren - unter Zusicherung der Anonymität -, sich in die Karten schauen zu lassen. Auch wenn manches bekannt sein mag, so deutlich wie Herbert hat für Jütte bisher niemand die Missstände im Medizinbetrieb, die Tricksereien von Hausärzten und die fragwürdigen Praktiken von Krankenhäusern benannt und mit zahlreichen Beispielen belegt. Zwar habe die Autorin auch kein Patentrezept. Aber die Vorschläge, die sie macht, scheinen ihm überaus vernünftig. Sein Fazit: ein "aufrüttelndes Buch".
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