Aus dem Bosnischen von Marie Alpermann und Rebekka Zeinzinger. Selma Asotić hat sich als junge feministische Stimme aus Bosnien einen Namen gemacht. Ihre Lyrik ist einfach, bilderreich und prägnant. Sie findet eine Sprache für die Zerrissenheit zwischen Heimat und Fremdsein; für Liebe und lesbisches Begehren; für den generationenlangen Weg der Frauen vom Schweigen zum Sprechen - vor allem aber für den Krieg als den brutalen ständigen Begleiter, der sie in ihren Träumen verfolgt und dem sie trotzdem den Kopf hält, wenn er, alt geworden und sich um seine Bedeutung sorgend, erbrechen muss: "Schon gut, Alter, ich erinnere mich noch an dich." Selma Asotić verdichtet in diesen 37 Gedichten Erfahrungen, die nicht aufhören, sondern sich im Gegenteil immer fortsetzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2026
Rezensent Nico Bleutge mag vielleicht nicht alles, aber doch vieles an den langzeiligen Versen, die dieser Gedichtband versammelt. Selma Asotić, die Autorin, kam 1992 in Sarajevo auf die Welt, heute lebt sie in den USA, in den Gedichten erinnert sie sich immer wieder an den Jugoslawienkrieg. Um verkörperlichte Geschichte geht es dabei ("Du fliehst unter den Tisch. / Der Körper erinnert sich, aber er lernt nichts"), manchmal überfluten die durch einzelne Erinnerungsdetails ausgelösten Assoziationen die Seite regelrecht, bemerkt Bleutge. Das gefällt dem Kritiker, der das Buch überhaupt immer dann mag, wenn es eng am Körperlichen bleibt, auch lesbische Liebe spielt eine Rolle. Wenn es abstrakter wird, schleichen sich hingegen manchmal weniger starke Formulierungen in den Band, was allerdings auch an der Übersetzung von Marie Alpermann und Rebekka Zeinzinger liegen könnte, vermutet Bleutge, der zugleich die Stärken der Übersetzung betont, etwa wenn die vielen Wahrnehmungsdetails gekonnt übertragen werden. In den besten Momenten gelingt es den Gedichten auf berückende Weise Persönliches und Historisches zu verbinden, schließt er.
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