Die Evolution der Gewalt
Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen. Eine Menschheitsgeschichte

dtv, München 2024
ISBN
9783423284387
Gebunden, 368 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Warum Krieg kein Schicksal ist. Das Unvorstellbare ist eingetreten: Der Krieg ist zurück - und bedroht uns alle. War der lange Frieden in Europa nur ein kurzes Intermezzo? Ereilt uns nun das Schicksal, weil wir nicht gegen unsere kriegerische Natur ankönnen? Höchste Zeit, den evolutionären Wurzeln der Gewalt nachzuspüren. Die drei Autoren brechen zu einer Menschheitsgeschichte der anderen Art auf. Sie präsentieren die aktuellen Forschungen über Schimpansen und Bonobos, spüren der Archäologie von Mord und Totschlag nach und zeigen, wie der Krieg Despoten und Staaten, aber auch Götter groß machte. Ihre Botschaft: Wir sind nicht zum Krieg verdammt, fallen ihm jedoch, wenn wir nicht aufpassen, nur allzu leicht zum Opfer.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.10.2024
Angesichts der zahlreichen gewaltvollen Konflikte auf der Welt stellt sich eine dringende Frage, so Rezensentin Dagmar Fröhlich: Woher kommt der Krieg überhaupt? Oder anders gefragt: Haben Menschen schon immer Krieg geführt? Und wenn nicht, wann und wieso haben sie damit begonnen? Um dieser Frage nachzugehen haben sich nun ein Archäologe, ein Historiker und ein Verhaltensforscher zusammengetan und akribisch, "mit viel Herzblut" die wenigen Daten analysiert, die vorliegen. Dabei kommen sie zu einer Analyse, die im Kern nicht unbedingt neu ist, und in der Hoffnung und Tragik zugleich liegen: Der Krieg sei durchaus kein zwingender Bestandteil menschlichen Zusammenlebens, sondern ein Produkt der "Zivilisation", das, wie so viele Übel, erst mit der Sesshaftwerdung der Menschen vor ca. 10.000 Jahren entstanden sei, lesen wir. Das heißt: Menschen sind nicht von Natur aus kriegerisch. Eine Rückkehr in die Vergangenheit möchte sich die Kritikerin allerdings lieber auch nicht ausmalen. Dennoch ist "Die Evolution der Gewalt" ein wichtiges und lehrreiches Buch, glaubt die Rezensentin, wenn wir das Wissen, das darin vermittelt wird, richtig anwenden, heißt: Wenn wir von den Gemeinschaften der Jägerinnen und Sammler damals lernen, ohne ihre Art des Zusammenlebens kopieren zu wollen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.10.2024
Rezensentin Susanne Billig empfiehlt den von Harald Meller, Kai Michel und Carel van Schaik verfassten Band. Zu lernen ist hier, dass die Rede vom Wolf im Menschen nicht so treffend ist, wie immer dargestellt. Die Autoren zeigen, allerdings ohne fachwissenschaftlich zu werden, wie Billig einräumt, dass Belege für kriegerische Tätigkeiten des Menschen erst relativ spät auftauchen, nicht in der genetisch prägenden Periode der Altsteinzeit. Diese sei von Ackerbau und Viehzucht und von viel Platz und eher friedlichem Miteinander geprägt gewesen, so die Autoren. Für Billig bedeutet das: toxisches, kriegerisches Verhalten lässt sich "behandeln". Ausschlaggebend dafür ist vor allem die gerechte Verteilung von Ressourcen lernt Billig.