Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke. Daoud Hari vom Stamm der Zaghawa verließ seine Familie, um die Schule zu besuchen, lernte Arabisch und Englisch. Er reiste illegal nach Ägypten und Israel, um Geld zu verdienen, wurde aufgegriffen und nach Darfur zurückgeschickt. Das Wiedersehen in der Heimat sollte kurz sein: Sein Dorf wurde, wie unzählige andere, ausgelöscht. Statt wie viele seiner Freunde zum Gewehr zu greifen und sich einer Rebellengruppe anzuschließen, tat Hari das, was er konnte: zuhören. Vom Tschad aus führte er Journalisten aus Europa und den Vereinigten Staaten über die Grenze in die gefährlichsten Gebiete Darfurs. Zusammen mit internationalen Beobachtern sprach er in Flüchtlingslagern mit Hunderten von Menschen und übersetzte ihre Geschichten. Im August 2006 verhaftete man ihn und einen Reporter der Chicago Tribune, bezichtigte ihn der Spionage, verhörte ihn unter Folter und drohte ihm mit Exekution. Über einen Monat später konnte er befreit werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2009
Für Gaby Mayr ist das ein wertvolles Buch. Was der Übersetzer Daoud Hari hier an grauenhaften Fakten aus seiner Heimat Darfur zusammenträgt, scheint das Zeug zu haben, das westliche Desinteresse zu überwinden. Zu diesem Schluss kommt Mayr, weil der inzwischen in den USA lebende Autor es schafft, sie als Leserin an die Hand zu nehmen und ihr die Konfliktlage begreiflich zu machen. Mayr liest über konstruierte Identitäten, Kindersoldaten und den Genozid, während der Konflikt weiter schwelt. Insofern ist das Buch für sie ein Appell an den Westen, tätig zu werden. Dass Hari seine neue Heimat USA mitunter glorifiziert, findet sie vor diesem Hintergrund verzeihlich.
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