Sarah Kane

Sämtliche Stücke

Zerbombt; Phaidras Liebe; Gesäubert; Gier; 4.48 Psychose
Cover: Sämtliche Stücke
Rowohlt Verlag, Reinbek 2002
ISBN 9783499231384
Kartoniert, 252 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Einleitung von David Greig. Herausgegeben von Corinna Brocher und Nils Tabert. Deutsch von Durs Grünbein, Marius von Mayenburg, Elisabeth Plessen, Peter Zadek und anderen. Erstmals erscheint auf Deutsch Sarah Kanes Gesamtwerk in einem Band, der auch das bisher unveröffentlichte Stück "4.48 Psychose" enthält und um ein biografisches Nachwort ergänzt wird. Ihre Stücke, darunter apokalyptische Horrorszenarien kreisen um Lioebe und Gewalt, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2002

Ralph Hammerthaler begrüßt es, dass dieser Band mit Theaterstücken erst einige Zeit nach dem Freitod der britischen Autorin erschienen ist, denn damit erliegt der Leser seiner Ansicht nach nicht so leicht der Versuchung, die Stücke allein als "Vorspiel zu einer Selbstauflösung" zu lesen. Er preist die Stücke als "verdammt gut gebaut", wenn er auch zugibt, dass er an ganz wenigen Stellen durchaus gekürzt hätte. Besonders das letzte Stück der Autorin lobt er als den "berührendsten Text", den sie jemals geschrieben habe, und das, obwohl auf "drastische Bilder" völlig verzichtet wurde. Etwas dunkel nennt Hammerthaler es ein "wurzelgenau komponierten Werk". Auch die Übersetzung findet er vollkommen gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2002

Dass Theaterstücke rezensiert werden, ist selten. Im vorliegenden Fall mag das daran liegen, dass die Autorin spektakuläre Stücke geschrieben und sich das Leben genommen hat. Katrin Bettina Müller kann der Versuchung nicht widerstehen, die Stücke im Rückblick auf eine Entwicklung und auf den Selbstmord hin zu lesen. Aber schon das Lesen stellt ein schwieriges Unterfangen dar, denn Kanes Stücke lesen und dabei still sitzen bleiben, sei ein Ding der Unmöglichkeit, meint Müller. Diese drastische, brutale, staccatohafte Sprache "will geschrieen werden", schreibt sie. Die Figuren von Kanes Stücken fürchteten nichts so sehr wie den Kontrollverlust über ihre Gefühle. Kanes Sprache ziele deswegen auf unmittelbare Schmerzerzeugung. Bloß die beiden letzten Stücke, "Gier" und "4.48 Psychose", letzteres posthum veröffentlicht und von Durs Grünbein übersetzt, erscheinen Müller zugänglicher als die früheren Stücke, die Sprache sei trotz ihrer Kürze musikalischer und poetischer. "4.48 Psychose" handele von einer Depression und der Angst, durch Therapie die Wut als produktiven Faktor zu verlieren. Für eine Nihilistin sei dies schon eine niederschmetternde Erkenntnis, schließt Müller, dass sich Wut ebenso ausbeuten lasse wie etwa der Glaube.