Aus dem Amerikanischen von Ulrike Brauns. Eine berühmte Fotografin stirbt unter mysteriösen Umständen, zwanzig Jahre später ist eine junge Frau besessen davon, die Wahrheit rauszufinden - um jeden Preis: Die junge Archivarin Kate soll den riesigen Nachlass der Künstlerin Miranda Brand sortieren. Auftraggeber ist Theo, Mirandas Sohn. Der Mittdreißiger ist schön, kühl, wohlhabend. Und übt eine gefährliche Anziehung auf Kate aus. Immer tiefer verstrickt sie sich in das Leben der Brands, liest heimlich das Tagebuch der Künstlerin. Die Beschäftigung mit Mirandas Tod wird ihr zur verhängnisvollen Obsession. Wurde die Fotografin ermordet? Was weiß Theo darüber?
Rezensentin Ursula März hat nichts gegen gutes Handwerk beim Krimi. Sara Sligar beherrscht aber zum Glück nicht nur das Storytelling, wie März feststellt, sie vermag es auch, mit zwei über das Motiv der Gewalt an Frauen verbundenen, einander abwechselnden Handlungssträngen Spannung zu erzeugen, versichert die Rezensentin. Dabei ist der eine "Fall" der der unfreiwilligen Ermittlerin selbst, bei dem anderen geht es um den ungeklärten Tod einer Fotografin, dessen Archiv die Protagonistin ordnen soll, wie wir erfahren. Das Buch, laut März eine Mischung aus "Künstlerroman, Krimi und feministischem Psychothriller", scheint die Rezensentin gefesselt zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.10.2020
Rezensentin Sonja Hartl freut sich über eine neue spannende Stimme in der amerikanischen Kriminalliteratur. Gebannt liest die Kritikerin die auf zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven erzählte Geschichte von Kate, die in einem Küstenstädtchen in der Nähe von San Francisco den Nachlass der feministischen Fotografin Miranda Brand sortiert und in deren Tagebuch auf das Dokument einer zwischen Depression und ehelicher Gewalt zerrissenen Künstlerin stößt. Die Leidenschaft, Verzweiflung und Euphorie der Tagebuchpassagen aus den Achtzigern und Neunzigern lassen die Rezensentin gern über die ein wenig "schwächere" Perspektive von Kate hinwegsehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2020
Rezensentin Sylvia Staude ist beeindruckt von einer gewissen Beiläufigkeit, mit der Sara Sligar schwerwiegende Themen abhandelt. Und sie findet, dass sich die an der University of Southern California Kreatives Schreiben lehrende Autorin etwas "traut", nämlich den auch in diesem Roman liegenden "Psychothriller" leichthändig zu behandeln. Stattdessen erzählt sie mehr aus dem emotionalen und geistigen Leben einer Künstlerin, die einerseits (ehe-) männlicher Gewalt ausgesetzt war, andererseits ihren kleinen Sohn vernachlässigte. Dass keiner hier so richtig sympathisch ist, scheint die Kritikerin nicht zu stören, vielmehr ist sie froh, keinem Weltbild ausgeliefert zu sein, dass nur Schwarz und Weiß kennt.
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