Das Hörbuch gilt spätestens seit seinen konstanten Umsatzzuwächsen im Jahr 2004 als das Sonntagskind der Buchbranche. Preisgünstige Reihen und der Einsatz von bekannten Sprechern machen es zunehmend beliebt: Das Hörbuch hat den Sprung aus der Nische geschafft. Doch was ist überhaupt ein Hörbuch und wie lässt sich sein Erfolg erklären? Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach, indem sie zunächst die Ursprünge seit der ersten phonographischen Tonaufzeichnungen im Jahr 1877 nachzeichnet und anhand medientechnologischer, buchhändlerischer, buchwirtschaftlicher sowie marketingspezifischer Entwicklungen fünf Phasen der Hörbuchgeschichte aufzeigt. Die Autorin erarbeitet eine Medientheorie des Hörbuches, die sie an dessen Ausdrucksqualitäten und Präsentationsweisen festmacht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.08.2008
Ein bisschen enttäuscht nennt Tobias Lehmkuhl diese Promotionsschrift eine "Fleißarbeit". Zwar weiß Lehmkuhl um das Problem zeitlicher Nähe zwischen dieser brandaktuellen Studie und ihrem Gegenstand, doch nach seinem Geschmack hätte Sandra Rühr gern wagemutiger an die Sache herangehen können. Wenn schon keine starke These - Wertungen und Prognosen, findet Lehmkuhl, hätten drin sein dürfen. Weil dem nicht so ist, bleibt dem Rezesenten, sich leicht gequält den ordentlich sortierten Fakten zuzuwenden, dem umfangreichen Anhang und den über tausend Fußnoten. Immerhin erfährt er dabei die ganze Geschichte des Mediums vom "Phonautographen" bis zum Download. Er lernt die Gattungsunterschiede, den Markt und die äußeren Erscheinungsformen kennen. Und weiß am Ende auch über medienspezifische und rezeptionsästhetische Aspekte des Hörbuchs Bescheid. Ist doch schön. Aber nicht sehr aufregend, entgegnet Lehmkuhl, den auch der parataktische Stil der Autorin ein bisschen ermüdet hat.
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