Die Schülerbewegung gestaltete als Teil der 68er-Revolte Schulpolitik, Demokratie und Gesellschaft entscheidend mit. Die Proteste um "1968" sind zu Recht als Jugendrevolte bezeichnet worden. Lange Zeit spiegelten jedoch weder die Forschung noch die Erinnerungskultur die tatsächliche Vielschichtigkeit der 68er-Bewegung wider: Es brodelte nämlich nicht nur an den Universitäten und in den Betrieben, sondern auch an den Schulen. Die Schülerbewegung wurde lange lediglich als "Nachwuchs" oder "kleine Schwester" der Studentenbewegung gesehen. Diese Interpretation wird ihrem wirklichen Einfluss allerdings nicht gerecht: Zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung brachte die Schülerbewegung eigene Themen und Forderungen in die 68er-Bewegung ein und behauptete sich als eigenständige Akteurin innerhalb der zeitgenössischen Bildungspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2026
Rezensent Ernst Piper erkennt in dieser gelungenen Untersuchung rund um schulische Protestbewegungen im Jahre 1968 einen wichtigen Beitrag zur Erforschung eines komplexen Zeitabschnitts. Auch wenn oft eher studentische Bewegungen, darunter besonders der "Sozialistische Deutsche Studentenverbund", als tatkräftige Protestorganisationen in den Blick genommen werden, waren Schülerbewegungen tatsächlich weitaus bedeutsamer, beobachtet Piper nach der Lektüre. Das lag vor allem daran, dass sie aufgrund ihres engeren Wirkungsbereiches pragmatischere Ziele verfolgte und sich etwa für verbesserte Partizipationsmöglichkeiten und Sexualkundeunterricht einsetzte, resümiert der Kritiker. Besonders interessant findet er dabei den Zusammenhang zwischen diesen Schülerbewegungen und der später daraus hervorgehenden, zweiten Phase der Studentenproteste, die eine "Demokratisierung der Universitäten" forderte. Inmitten der schier endlosen Interpretationen, die sich um das Jahr 1968 gebildet haben, liegt hiermit endlich ein klares Stück neuer Forschung vor, schließt Piper freudig.
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