Ausgewählt von Helmut Krausser, übersetzt und kommentiert von Georg Deggerich. Er war geizig, ungerecht, karrieresüchtig, lebenslustig bis zum Anschlag. Er liebte das Geld und er liebte den Luxus. Er kaufte wollüstige Romane, hielt sie für widerlich, las sie fasziniert (und mit Effekt) und verbrannte sie danach. Er liebte seine Frau, aber er stellte allem nach, was weiblich ist: Zufallsbekanntschaften, den Frauen von Untergebenen und Bittstellern, Hausangestellten, Freunden - in Gedanken treibt er es gar mit dem Hofstaat und der Königin. "Wer wissen will, wie es in der jugendlich-männlichen Seele jenseits aller Verschleierungs- und Entschuldigungsstrategien aussieht", so Helmut Krausser, der aus den 4000 Seiten der gesamten Textmasse diese Auswahl zusammengestellt hat, "wird hier - vielleicht um den Preis einer Desillusionierung - bestens bedient."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.07.2007
Alexander Kosenina preist diese Auswahl aus Samuel Pepys' 11.bändigen Tagebücher, die er, mit Betonung seines erotischen Lebens zwischen 1660 und 1669, zusammengestellt hat, nicht nur für ihre hübsche Aufmachung und ihren Unterhaltungswert. Vielmehr sei die Tagebuchauswahl ein bedeutendes Dokument der Kulturgeschichte, indem sie nicht nur einen Eindruck vom Leben in London im 17. Jahrhundert, dem Eheleben in der Oberschicht und den losen Verhältnissen am Hof des Königs gibt, sondern auch ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis zwischen Kirche und Sexualität werfe, so der Rezensent gefesselt. Pepys Tagebuchaufzeichnungen erhellen nicht zuletzt, dass Karikaturen wie William Hogarths "Credulty, Superstition and Fanaticism" von 1760 viel näher an der Realität liegt, als man gemeinhin annimmt, so Kosenina fasziniert.
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