Mit 174 Schwarzweiß-Abbildungen. Die Umwelt in ihren physikalischen und sensorischen Dimensionen ist ein virulentes Thema unserer Zeit. Dieses Buch erzählt, wie Geräusche, Klänge und Töne die Entwicklungen der Architektur des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussten. Detailliert recherchierte Fallstudien - vom Völkerbundpalast (1927) bis zum schallisolierten House of the Future von Alison und Peter Smithson (1957) - verdeutlichen, wie das wachsende bauphysikalische und wahrnehmungstechnische Wissen der Akustik die architektonische Praxis veränderte. An den Beispielen des ersten Schweizer Hochschulakustikers Franz Max Osswald (1879-1944), der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich von 1924 an ein Laboratorium für angewandte Akustik einrichtete, seines Nachfolgers Willi Furrer (1906 1985) wie auch weiterer Akteure im In- und Ausland wird die Entwicklung der modernen Bau- und Raumakustik nachgezeichnet. Die Übertragung der Erkenntnisse aus den Laboratorien in gebaute Architektur stellte vielerlei Herausforderungen. Die Disziplinierung der Akustik ging mit der Entstehung und Ausformung einer neuen Berufsgruppe von Experten einher, deren Argumente mit den Sichtweisen der Architekten in den Dialog, zuweilen aber auch in Debatten eintraten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2019
Der hier rezensierende Architekturkritiker Michael Mönninger empfiehlt dieses Buch der Schweizer Architekturhistorikerin Sabine von Fischer, wenngleich er einige Kritikpunkte hat. Interessiert liest er hier zunächst nach, wie sich seit dem 1929 von Franz Max Oswald an der ETH Zürich gegründeten Akustiklabor der Kampf von Architekten und Ingenieuren gegen den Lärm gestaltete. So erfährt er beispielsweise, dass die Nazis 1934 die Baufibel "Das lärmfreie Wohnhaus" veröffentlichten oder wie die ersten "geräuscharmen Klosetts" entstanden. Auch auf Beispiele positiver Schallförderung in Konzert- und Versammlungssälen geht die Autorin ein, fährt der Kritiker fort, der etwa daran erinnert wird, dass das New Yorker UN-Hauptquartier zwar zum Zweck der Völkerverständigung gebaut wurde, die Verständlichkeit der Redner aber aufgrund der Größe der Säle eingeschränkt war. Während Mönninger in der Studie allerhand über die physikalisch-akustische Technik lernt, vermisst er Informationen zum sinnlich-auditiven Hören: Über Protagonisten wie Osswald hätte er beispielsweise gern mehr erfahren. Zudem hätte sich der Rezensent angesichts der üppigen Materialmenge mehr Struktur gewünscht.
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