Sabine Vogel

Kulturtransfer in der frühen Neuzeit

Die Vorworte der Lyoner Drucke des 16. Jahrhunderts
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2000
ISBN 9783161471094
Gebunden, 318 Seiten, 85,90 EUR

Klappentext

Die Rezeption antiken Gedankenguts ist bislang in wissenschaftsgeschichtlichen Untersuchungen einzelner Disziplinen behandelt worden. Sabine Vogel fasst unter der übergreifenden Fragestellung des Kulturtransfers die Einzelentwicklungen zusammen. Den Schwerpunkt ihrer Untersuchung bildet die Renaissance als Vermittlungsprozess, innerhalb dessen die Vorkenntnisse und Absichten der Rezipienten Auswirkungen auf das jeweilige Bild der Antike hatten. Zwar stimmten die humanistischen Gelehrten des 16. Jahrhunderts in der Ansicht überein, dass sich Bildung, Tugend und Eloquenz zu den "studia humanitatis" verbinden. Je nachdem, ob ein Gelehrter aus Deutschland, Italien oder Frankreich stammte, stelle er jedoch einen der drei Aspekte in den Vordergrund. Anhand einer Stichprobe aus der Lyoner Buchproduktion arbeitet Sabine Vogel heraus, welche Aspekte des humnistischen Gedankenguts und des antiken Erbes die Lyoner Verleger ihrerseits ihren Kinden in Editionen, Kompilationen, Schul- und Fachbüchern anboten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.08.2000

Statt, wie es seit Jacob Burckhardt gängige Praxis ist, die Entwicklung von Renaissance und Humanismus außerhalb Italiens als Verfallsgeschichte zu lesen, interpretiert Sabine Vogel diesen Prozess als "Formwandel des traditionellen Gelehrtenideals zu jenem des bon esprit", schreibt Rudolf Walther. Ihr Vorgehen sei, so Walther, raffiniert und schlüssig: an den Widmungen und Vorreden von 340 ausgesuchten Werken lasse sich die Verschiebung im Bild von Gelehrsamkeit und Wissen und die Ausdifferenzierung der einstigen Einheit von doctrina, virtus und eloquentia nachvollziehen. Eine kleine kritische Anmerkung gilt der gelegentlich "anachronistischen" Übersetzung einzelner Begriffe, insgesamt aber sei diese Arbeit "lehrreich und solide".
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