Rupert Neudeck

Die Menschenretter von Cap Anamur

Cover: Die Menschenretter von Cap Anamur
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406488795
Gebunden, 315 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit 30 Abbildungen. Seit über 20 Jahren leistet Cap Anamur humanitäre Hilfe in der ganzen Welt. Rupert Neudeck erzählt in diesem Buch die abenteuerliche Geschichte der Hilfsorganisation, die mit seinem Leben eng verknüpft ist. Er berichtet von den Anfängen mit Heinrich Böll und Franz Alt, von den Chancen, Gefahren und Belohnungen humanitärer Arbeit, von den Höhen und Tiefen im Kampf mit staatlichen Bürokratien, von den Wagnissen eines außergewöhnlichen Lebens. Vor allem aber erinnert er daran, wie unvorstellbar groß das Elend und die Not der Menschen sind, denen sein Lebenswerk gewidmet ist. Sie haben einen Anspruch auf unsere Unterstützung. Die Botschaft des Buches ist einfach: Hilfe ist möglich - überall und jederzeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2002

Seit 1979 hat der promovierte Philosoph und Journalist Rupert Neudeck, Gründer des Notärzte-Komitees Cap Anamur, unermüdlich sein Leben in den Dienst der Rettung von Menschenleben gestellt, berichtet Andreas Eckert. Besonders "sympathisch" findet der Rezensent, dass sich Neudeck mit diesem Buch nicht selbst würdige, sondern Ärzte, Krankenschwester und Techniker, die allesamt für Flüchtlinge, Kriegs- und Gewaltopfer ihre Gesundheit und oft ihr Leben riskiert haben, so der Rezensent. Sehr Hoch schätze der Autor denn auch diejenigen, die ihn in seiner Arbeit unterstützend zur Seite standen, wie Heinrich Böll, Jean-Paul Sartre oder Norbert Blüm. Wenig Gutes wisse er hingegen insbesondere über die Vereinten Nationen zu berichten. Zwar habe das Buch "Schwächen", etwa in Neudecks ethnologischen und historischen Betrachtungen, die Eckert hier und da an den eher platten Stil von Peter Scholl-Latour erinnern. Trotz dieser "gelegentlichen Irritationen" aber sei dieser Bericht "leidenschaftlich", "spannend" und "bedrückend" und vermittle viele Kenntnisse über die jüngere Geschichte von internationalen Konflikten und erinnere an die Brutalität vieler vergessener Bürgerkriege, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2002

Gunter Hofmann bekennt, diesen Lebensbericht des Begründers des Notärzte-Komitees Cap Anamur geradezu verschlungen zu haben. Hofmann, politischer Journalist, erklärt sich dankbar für den Perspektivwechsel, der ihm die Welt zwischen Nord und Süd neu ordnet und eröffnet. Das Buch, so Hofmann, berichtet nicht abstrakt von politischen Konflikten, sondern stets konkret, persönlich. Das fängt mit der eigenen Flucht Neudecks im Jahr 1945 aus Danzig an, als die Familie die Abfahrt des Flüchtlingsschiffes knapp versäumt, und seither habe Neudeck seltsamerweise immer mit Bootsflüchtlingen zu tun gehabt, fügt Hofmann an. Neudeck gründete das Notärztekomitee, das ab 1979 die Boatpeople aus Vietnam rettete, und lernte nach und nach die globalen Krisenherde und viele Drittweltländer kennen. Neudeck erzählt spannend und ohne persönliche Eitelkeit, erklärt Hofmann sein Lesefieber. Gut gefallen hat ihm auch, wie Neudeck bekannten und unbekannten Mitstreitern ein Denkmal setzt, etwa Lew Kopelew oder Michnik und Kuron. Hofmann nennt Neudeck einen Globalisierer im eigentlichen Sinne, lange bevor damit der ökonomische Prozess umschrieben werden sollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Cathrin Kahlweit findet es riskant, dass der Autor, der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, das Buch über sein Lebenswerk selbst geschrieben hat: So einer setze sich "schnell dem Vorwurf der Eitelkeit" aus. Doch die Frage, ob er seinen Lebensbericht nicht lieber von jemand anders hätte schreiben lassen sollen, beantwortet die Rezensentin dann sofort mit einem klaren Nein. Sie ist angetan von seinem emotionsgeladenen Bericht, auch wenn er ihr manchmal vielleicht etwas zu "detailreich" ist. Das Buch lese sich nicht nur wie ein "Abenteuerroman" und auch nicht nur wie eine traurige Bestandsaufnahme, wo überall auf der Welt es Menschen schlechter gehe als uns, vielmehr sei es eine Analyse der Spendenwilligkeit der Deutschen und der Praxis der Geldbeschaffung von Hilfsorganisationen. Dass Neudeck mitunter auch "zornig" werde angesichts der Schwierigkeiten, die man ihm bei der Rettung von Flüchtlingen in den Weg legt, kann die Rezensentin verstehen.
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