Ruben Gonzalez Gallego

Weiß auf Schwarz

Ein Bericht
Cover: Weiß auf Schwarz
SchirmerGraf Verlag, München 2004
ISBN 9783865550040
Gebunden, 215 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Lena Gorelik. Ruben Gonzalez Gallego wird im September 1968 in der Klinik des Kreml geboren. Seine Mutter, eine Spanierin, wurde dort als Notfall aufgenommen, dank ihrer Verbindungen zur geheimen Spanischen Kommunistischen Partei; sie war schwanger mit Zwillingen. Das erste Baby stirbt. Bei der Geburt des zweiten, Ruben, treten Komplikationen auf; seine Beine bleiben gelähmt und die Feinmotorik seiner Hände beeinträchtigt. Zunächst in einem Waisenhaus für Angehörige der kommunistischen Elite untergebracht, beginnt für Ruben ab dem zweiten Lebensjahr eine Odyssee durch Heime für behinderte Kinder; seiner Mutter sagt man, er sei gestorben. Rubens letzte Station 1990 ist ein Altersheim, in dem all die untergebracht werden, die keiner "nützlichen Tätigkeit" mehr nachgehen können. In den Wirren der Perestroika 1990 gelingt es ihm mit Hilfe einer Pflegerin, seiner späteren ersten Frau, zu entkommen.
"Dies ist ein Buch über meine Kindheit. Eine grausame, furchtbare Kindheit - aber eben trotzdem eine Kindheit. Um in sich eine Liebe zur Außenwelt zu bewahren, um groß und erwachsen zu werden, braucht ein Kind wirklich wenig: ein Stück Speck, eine Scheibe Brot mit Wurst, eine Handvoll Datteln, blauen Himmel, ein paar Bücher und die Herzlichkeit eines menschlichen Worts. Dies genügt, es ist mehr als genug." (der Autor). Ausgezeichnet mit dem Russischen Booker Prize 2003

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.07.2004

Verstört und aufgewühlt hat den Rezensenten dieser authentische Bericht, der in der Tat eine erstaunliche und erschreckende Geschichte enthält. Ruben Gonzalez Gallego kam 1968 als überlebender Zwilling in einem Moskauer Krankenhaus zur Welt mit einer zerebralen Lähmung, die verursachte, dass er nicht laufen und auch seine Hände kaum benutzen konnte. Seine Mutter war die Frau des Chefs der geheimen spanischen Kommunistischen Partei, nach einem Jahr Klinikaufenthalt nahm man ihr das Baby weg und erklärte es später für tot. Gallegos Laufbahn - oder Kriechspur, müsste man in diesem Fall eher sagen - durch russische Heime begann. Aufgewachsen in der "Planwirtschaft des Todes", nennt es Rezenent Tobias Müller, der von Gallegos Bericht und insbesondere von dessen Überlebenswillen sichtlich schwer beeindruckt ist. Er nennt ihn einen Helden und einen Sieger, nicht nur weil er die Demütigungen überlebt hat, sondern dabei "sich seine Würde erhalten konnte", schreibt Müller emphatisch. 1990 konnte Gallego fliehen und seine Mutter in Prag auftreiben. Sein Bericht sei nüchtern und nahezu verständnisvoll, meint der Rezensent und wundert sich nur ein bisschen über soviel Heldenhaftigkeit. Im übrigen sei auch die Übersetzung von Lena Gorelik - ihr Debüt - bis auf einige süddeutsche Eigentümlichkeiten hervorragend.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2004

Adam Olschewski war emotional so berührt von diesem literarisierten Lebensbericht, dass er seine ästhetische Kritik bei der Beurteilung hintan stellte. Ruben Gonzales Gallego ist körperlich behindert und wuchs in sowjetischen Kinderheimen auf, und was er in schmuckloser, sachlicher Sprache von dort berichtet, ging dem Rezensenten ans Herz: "Das Ausmaß des Unglücks, des Elends, kann man unmöglich fassen", schreibt Olschewski, dem vor Augen geführt wurde, "wie eine Staatsordnung, vom Gleichheitsgedanken theoretisch im Übermaß beseelt, mit Leuten umging, die der Norm nicht entsprachen". In seinen Augen mutet es fast eigenartig an, dass der Autor auf eine Anklage verzichtet und sich auf den Bericht beschränkt, doch dem Buch, findet er, tut es gut, zumindest bis die zuweilen sehr kurzen, ausrißartigen Kapitel in der post-sowjetischen Gegenwart ankommen - mehr und mehr wirke dann die einfache Sprache ermüdend, die Thematik - mit der Behinderung leben - nicht mehr so dringlich. Doch: "Nicht schlimm. Wir haben verstanden, und - wichtiger - wir haben mitgefühlt."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.06.2004

Der Großvater von Ruben Gonzalez Gallego war Generalsekretär der Kommunistischen Partei Spaniens. Gallego wurde 1968 im Krankenhaus des Kreml geboren, mit gelähmten Beinen, weshalb man ihn seiner Mutter sofort entzog. Er wuchs in einem Kinderheim auf, wurde danach in ein Altersheim gesteckt, aus dem ihm die Flucht gelang. In diesem Buch berichtet er in literarischen Fragmenten, aber ohne Änderung der tatsächlichen Begebenheiten von seiner Kindheit. Die Geschichte etwa von dem Hund, der im Kinderheim auftauchte und nur deswegen nicht fortgejagt wurde, weil ihm eine Pfote fehlte und er deshalb als am rechten Platz betrachtet wurde. Gallego erzählt, wie er sich dumm gestellt hat, weil alle Kinder, die nicht laufen konnten, ohnehin als dumm, ja, als "keine Menschen" betrachtet wurden. Der Rezensent Christian Mürner fragt sich angesichts der "Schonungslosigkeit" dieser schrecklichen Darstellungen, ob sich das tatsächlich alles so zugetragen hat. Er entschließt sich aber, dem Autor zu glauben, der das mit Entschiedenheit versichert, und wünscht sich weitere "beeindruckende Berichte" aus dessen Feder.
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