Hans Stilett

Eulenrod

Biografisches Mosaik
Cover: Eulenrod
Antje Kunstmann Verlag, München 2013
ISBN 9783888978623
Gebunden, 112 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Dieses Kind bleibt nicht unter dem Rock der Großmutter sitzen. Es will hinaus. Und doch ist die Stube der Ort der Geborgenheit, in der sich die Großeltern, Mutter und Kind aufhalten, in der gekocht und gegessen wird, in der man sich wäscht und zusammensitzt. "Wir leben arm, aber gesund", sagt die Mutter. Doch was das Kind erlebt und beobachtet, ist reich. Da gibt es das Abendkränzchen der Großeltern, wo es die Erwachsenen belauschen kann. Da sind die Nachbarskinder, mit denen es durch die Wiesen und Wälder streift und durch den Ort. Da sind die Sozis, die Kommunisten und die Nazis, die sich bekämpfen. Und die Streifzüge mit der Großmutter zum Himbeer- und Blaubeerpflücken, zum Tannenzapfen- und Holzsammeln. Hans Stilett erzählt aus seiner Kindheit: von der Freude, von der Neugier, vom Tod, von der Natur und Menschen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Mit 91 Jahren beweist Hans Stilett, der sämtliche Essays von Michel de Montaigne brillant übersetzte, dass er auch ein wunderbarer und großer Erzähler ist, versichert Rezensent Hilmar Klute. In dem kleinen Prosaband "Eulenrod" liest der Kritiker kurze, aber zauberhaft erzählte Erinnerungen Stiletts an seine Kindheit in einer thüringischen Kleinstadt Anfang der Dreißiger Jahre, folgt den Naturträumereien des kleinen Jungen und erlebt Stilett bei seinen ersten Schwärmereien. Zugleich lobt der Rezensent das Vermögen des Autors, aus kindlicher Perspektive von politischen Unruhen, etwa den Prügeleien zwischen Kommunisten und Nazis zu berichten. Nach der Lektüre dieses "biografischen Mosaiks" fühlt sich Klute vom Erlebnishunger des Zehnjährigen angesteckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.07.2013

Sehr gern gelesen hat Christoph Schröder diese Erinnerungen von Hans Stilett, der sich nach seinen 30 Jahren Arbeit im Bonner Brundespresseamt großen Ruf als Lyriker und Übersetzer von Montaignes Essays erwarb. Schröder beschreibt "Eulenrod" als eine arratische Sammlung von Texten, die in Stiletts Jugend führen, zu ersten Freunden und ersten Abenteuern. An den elegischen Tonfall gewöhnt sich Schröder schnell, ihm hänge ihm nichts Manieriertes an, wie er versichert. Schwer zu sagen ist allerdings, ob bei Schröders Feststellung, dass der 1921 geborene Stilett nie den "Reflexionsrahmen eines Kindes" verlässt, nicht auch ein wenig Bedauern mitschwingt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2013

Rezensent Hanns Zischler findet kaum genug Worte, um seine Verzückung nach der Lektüre von Hans Stiletts "bewegendem großen" Büchlein "Eulenrod" auszudrücken. Ganz beglückt liest der Kritiker die aus der Perspektive des Abschieds, aber dennoch angenehm nüchtern geschriebenen Erinnerungen des Autors an seine Kindheit in einem Dorf in Thüringen, die vor allem von der Geborgenheit, die er durch seine verträumte Mutter und seine liebevolle Großmutter erlebte, geprägt war. Geradezu virtuos verdichte Stilett eine Fülle unverwechselbarer Momente zu kleinen Episoden, lobt der Rezensent, der sich von der überwältigenden Sinnlichkeit des Textes, den olfaktorischen und visuellen "Sensationen" ganz in den Bann ziehen lässt. Traumverloren begleitet der Kritiker den über neunzigjährigen Schriftsteller bei seinen Erinnerungen an das Sammeln von Preiselbeeren bei drückender Schwüle im Wald oder die Tau sammelnde Hebamme, um diese Welt gemeinsam mit Stilett bisweilen immer wieder für eine "Atempause von Eichendorffscher Levitation" zu verlassen. Dieses besondere Buch verspricht Momente reinen Glücks, versichert Zischler.
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