Klappentext

Inklusive Doppel-CD, kompiliert von Bert Papenfuß, Bo Kondren, Bernd Jestram und Ronald . In der DDR stagnierte Mitte der Achtziger eigentlich schon alles. Die Wirtschaft erodierte, das Volk salutierte oder marodierte. Dieser Teil der subkulturellen Szene der DDR begab sich in synergetisch-synästhetisch wechselwirkende Prozesse voller Ungewissheit. Sie hatten sich von diesem Staat längst innerlich verabschiedet. Also: Stecker rein! Das Buch samt beiliegender CD stellt ein weitgehend unerforschtes Terrain des ostdeutschen Underground vor: die unabhängige Tapekultur in der ehemaligen DDR. "Spannung, Leistung, Widerstand" präsentiert aus Hunderten alter Kassettenaufnahmen ausgewählte Stücke, deren stilistische Bandbreite vom Avant Punk über intellektuell kühle New Wave bis zu elektronischen Experimenten oder Dub reicht. In zahlreichen Texten und Interviews kommen die Akteure einer Wohnzimmer-Avantgarde zu Wort, die junge Punks, bildende Künstler und Lyriker vom Prenzlauer Berg umfasste. Nachgezeichnet werden untergründige Gegenströmungen von hoher Eigenwilligkeit, die auch heute noch durch verwegenen Charme und Widerborstigkeit beeindrucken, und deren Spuren in der Musik von so unterschiedlichen Protagonisten wie Tarwater, To Rococo Rot, Carsten Nicolai und seinem Elektroniklabel Raster-Noton bis hin zu Rammstein hörbar sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Angetan zeigt sich Pinky Rose von diesem Band über die Subkultur der DDR, den Ronald Galenza und Alexander Pehlemann herausgegeben haben. Das Buch vermittelt ihres Erachtens einen wunderbaren Eindruck von der Vielfalt der einst höchst vitalen Kunst-, Literatur- und Musikszene im Untergrund der DDR. Rose berichtet über die im Untergrund "wild wuchernden" Netzwerke vom Prenzlauer Berg bis nach Karl-Marx-Stadt, über Elektrobastler und Aussteigerdichter, bekannte Dissidenten und unbekannte Punks. Neben Christoph Tannerts Beitrag über die Rolle des Punk in der DDR und Thomas Roeslers über den Unterschied zwischen Dissidentenboheme und Subkultur hebt sie Sascha Anderson Schilderung seines Konflikts als Stasi-Spitzel im alternativen Milieu hervor. Ungeklärt bleibt für sie nur die Frage, warum ein "Held der DDR-Tape-Kunst" nach der Wende bei der "Dumpfrocktruppe" Rammstein einstieg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2006

Wärmstens begrüßt der Rezensent Andreas Hartmann das "opulente" Ostpunk-Projekt "Spannung. Leistung. Widerstand", in dessen Rahmen das vorliegende Buch nebst Doppel-CD erschienen ist. Die Opulenz des Projekts ist dem Phänomen völlig angemessen, findet der Rezensent, schließlich könne man den Einschlag des Punks im Osten getrost mit der "Landung Außerirdischer" vergleichen. Zudem werde deutlich, dass die vor allem in Ostberlin verwurzelte Ostpunk-Subkultur dem eigentlichen Prinzip des Punk, der "Selbstermächtigung" nämlich, "absolut gerecht" wurde: Wenig musikalisches Können, dafür viel Wollen, elektronisches Tüftlertum, englisches Kauderwelsch - mangels Sprachkenntnissen - und Verbreitung der Musik auf bespielten Kassetten, da eine Kommerzialisierung in politischer Hinsicht außer Frage stand. Der Konflikt mit der Obrigkeit war da vorprogrammiert, bemerkt der Rezensent, und die Autoren Alexander Pehlemann und Ronald Galenza legen dar, wie erbittert die Stasi diese als "typisch dekadente Westerscheinung" und daher als regelrechtes "Staatsproblem" betrachtete Musikszene zu bekämpfen suchte. Die Stasi gehörte daher auch immer zu den Abnehmern der heimlich aufgenommenen Bänder, so dass die freundliche Anrede "Ihr Arschlöcher" (so der Name einer Band) auch sicher an den Adressaten gelangte, wie der Rezensent amüsiert berichtet.