Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2002
Bei seiner äußerst umfangreichen und eingehenden Rezension von Roland Reuß' "Celan-Provokationen" kann sich Hans-Herbert Räkel eines unguten Gefühls nicht erwehren. Wie der Rezensent ausführt, versteht Reuß unter Interpretation die Übersetzung von poetischen Texten in die strenge Sprache des Begriffs. Dabei binde sich Reuß an Celans theoretischen Äußerungen allerdings "wie an einen Mast", kritisiert der Rezensent. Reuß' zentraler Begriff bei seiner Celan-Exegese ist laut Räkel der von Celan in seiner Büchner-Preisrede entfaltete Begriff des Gesprächs. Wenn Reuß die Verssprache des Gedichts als "aktualisiertes Sprechen" fasst, ist er nach Ansicht des Rezensenten "tatsächlich einer Qualität der Poesie Celans auf der Spur." Doch Reuß Einschränkung der Bedeutung dieses aktualisierten Sprechens auf die Semantik stößt beim Rezensenten auf Widerstand. Seines Erachtens muss Celans Verssprache für den Interpreten mehr werden als ein Gegenstand, der immer nur die "Freilegung neuer Bedeutungsschichten" verlangt. In diesem Zusammenhang kritisiert er insbesondere Reuß' völliges Außerachtlassen von biografischen Hintergründen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2002
Tot ist er schon lange, doch still wird es um ihn immer noch nicht: In einer Sammelbesprechung hat sich Ernst Osterkamp neue Publikationen von und über Paul Celan vorgenommen. Wohl hinter vorgehaltener Hand lächelnd hat Ernst Osterkamp seine Kritik über "Im Zeithof", die im Stroemfeld Verlag erschienenen "Celan-Provokationen" (Untertitel) von Roland Reuß geschrieben, eines "Großmeisters des hohen Tons der priesterlichen Unterweisung", der in der Celan-Philologie nicht selten geworden sei. Zum einen ist der FAZ-Kritiker amüsiert ob der Reußschen Verbindung des Autoritativen ("Indes ist darauf zu insistieren") mit dem Vagen, Schwammigen. Andererseits die Forderung des Philologen, Celan nur mit einer gut sortierten Bibliothek im Rücken zu lesen. Der "natürliche Feind" von Reuß sei der "entspannte Leser, der bei der Lektüre von Gedichten mit nichts als seiner Bildung und seiner ästhetischen Sensibilität auszukommen meint". Immerhin lese man nach der Lektüre von Reuß' Band Gadamer "mit sehr viel größerem Gewinn": "Liegt der doch allen Ernstes in einer Sandkuhle in den holländischen Dünen und glaubt dort Celans 'Atemkristall' zu verstehen!"
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