Roger Martin du Gard

Die Thibaults

Die Geschichte einer Familie. Roman
Cover: Die Thibaults
Zsolnay Verlag, Wien 2003
ISBN 9783552052857
Gebunden, 992 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Die Geschichte der Familie Thibault ist ein epochaler Abgesang auf das bürgerliche Zeitalter. Erzählt wird vom Schicksal zweier ungleicher Brüder im Frankreich am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Beide versuchen auf unterschiedliche Weise, der Enge des konservativ-katholischen Elternhauses und der Macht des Vaters zu entkommen, beide scheitern sie auf ihrem Weg "durch die Welt zur Hölle".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.11.2003

Andreas Oplatka macht sich in seiner Rezension Gedanken darüber, warum Roger Martin du Gard trotz Literaturnobelpreis selbst in Frankreich nicht zu den viel gelesenen "Klassikern" gehört. Dass sein "Ruhm" in Deutschland nicht sonderlich verbreitet ist, wundert ihn nicht allzu sehr, denn das liegt seiner Ansicht nach nicht zuletzt daran, dass sein Hauptwerk "Die Thibaults" lange vergriffen war. Deshalb begrüßt er es enthusiastisch, dass zumindest der erste Teil des Buches, der, wie er betont, wenn nötig auch für sich allein stehen kann, nun endlich in der unveränderten, "nach wie vor schönen, gut lesbaren" deutschen Übersetzung von Eva Rechel-Mertens wiederaufgelegt worden ist. Der Roman sei weit mehr als nur die "Geschichte einer Familie", wie der Untertitel heißt, der französische Autor beleuchtet anhand der Thibaults auch die Entwicklung der Dritten Republik und die Zäsur des Ersten Weltkriegs, so Oplatka angetan. Zu Unrecht, meint der Rezensent, hat man Martin du Gard vorgeworfen, mit seiner eher konventionellen Erzählweise ein Vertreter des "realistischen Romans" des späten 19. Jahrhunderts zu sein. Zwar weist auch nach Meinung Oplatkas die "Allwissenheit" des Erzählers eher ins 19. Jahrhundert, doch die "Unsicherheit" und Skepsis, die die Figuren des Romans selbst auszeichnet und die fern jeder Didaktik geübte "Kunst der Menschengestaltung" des Autors, macht Martin du Gard zu einem "Vorläufer der Moderne", betont der Rezensent.
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