Robert Putnam hatte 1995 mit seinem Aufsatz "Bowling Alone" und seiner umfassenden Studie gleichen Titels im Sommer 2000 für Furore gesorgt, in denen er einen Verlust der gesellschaftlichen Bindekräfte und den Niedergang des bürgerschaftlichen Engagements, kurz: ein Schwinden des Sozialkapitals in den USA konstatierte. Mit "Gesellschaft und Gemeinsinn" blickt Putnam über den Tellerrand der USA hinaus: Das Buch untersucht Möglichkeiten und Grenzen der Zivilgesellschaft in acht Ländern, darunter auch der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2001
Rainer Hoffmann stellt eine Studie vor, deren Fazit kurz gefasst "Krieg schweißt zusammen" lauten könnte: Robert D. Putnam gehe der Frage nach, wie "Kriege zum Sozialkapital beitragen". Unter Sozialkapital verstehe man gemeinhin "jene greifbaren Eigenschaften, auf die es im Alltag ... am meisten ankommt", also guter Wille und Mitgefühl. Dass Krisen identitätsstiftend seien, hätten dem Autor zufolge Sozialwissenschaftler schon frühzeitig festgestellt. Zwei Analysen untersuchten den "Wandel des Sozialkapitals" in den USA. Dort gebe es regelmäßig "imposante Demonstrationen des Gemeinsinns", schreibt der Rezensent. Dies sei auch jetzt bei den Terrorangriffen vom 11. September wieder festzustellen. Eine interessante Analyse, findet Hoffmann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2001
Das ist neu: Die Autoren eines Sammelbandes verweigern dem Herausgeber die Gefolgschaft. Die einzelnen Länderstudien des Bandes, erklärt Rudolf Speth, "können einen auffälligen Verlust an sozialem Engagement nicht bestätigen." Genau das aber ist die Kernthese des Herausgebers bei seiner Formulierung des Begriffs vom "Sozialkapital" gewesen, mit dem er bekannt geworden ist. Speth verschafft uns einen Einblick in die unterschiedlichen Positionen der Länder auf der Skala zwischen "dem Virus des Individualismus" und den verschiedenen Formen des Engagements, die die Studie aufdeckt, und scheint regelrecht zu bedauern, dass der Herausgeber am Ende dasteht "als antiliberaler und gemeinschaftssüchtiger Nostalgiker", weil er, anders als seine Autoren, nicht "die neuen Formen des Engagements" mit einbezogen hat in seine Überlegungen. Bleibt für den Rezensenten zu respektieren, dass Putnam mit dem Sozialkapital einen neuen Begriff in die laufende Diskussion über Gemeinsinn und Gemeinwohl eingebracht hat, "der empirisch operationalisierbar ist und der die Veränderungen im Bereich des mitmenschlichen Engagements besser sichtbar werden lässt."
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