Rob Wijnberg

Ruinen der Wahrheit

Eine kurze Geschichte unserer Zeit
Cover: Ruinen der Wahrheit
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406831058
Gebunden, 206 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke. Glauben wir noch an die Wahrheit? Oder glauben wir nur noch an unsere eigene Meinung? Wer politische Debatten oder Diskussionen in den sozialen Medien verfolgt, kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die Wahrheit ihre Kraft und Glaubwürdigkeit verloren hat. Das Ergebnis? Eine Gesellschaft, in der Solidarität immer mehr verlorengeht und das Vertrauen in Politik und Medien schwindet. In seinem Essay erzählt der niederländische Philosoph Rob Wijnberg die Geschichte, die zur gegenwärtigen Krise der Wahrheit geführt hat und zeigt uns, was wir tun müssen, damit die Wahrheit wieder eine gemeinsame und verbindende Macht werden kann. Was ist eigentlich so aufregend an "Wahrheit"? Für Rob Wijnberg geht es nicht bloß um den Unterschied von Tatsache und Fiktion, ums Besserwissen und Danebenliegen. Wahrheit ist viel mehr, nämlich die Linse, durch die eine ganze Gesellschaft auf die Wirklichkeit blickt. Was Liebe für Individuen ist, ist die Wahrheit für Kollektive eine Kraft, die eine Welt eröffnet, Differenzen überbrückt (oder vertieft) und Menschen verbindet (oder spaltet). In seinem Kurztrip durch die Geschichte unserer westlichen Gesellschaften zeigt Wijnberg, wie sich die Wahrheit historisch verändert hat, weshalb sie heute so problematisch geworden ist und wie wir damit aufhören können, unser gesellschaftliches Liebesverhältnis zur Welt zu ruinieren. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.07.2025

Kluge Gedanken zur Wahrheit enthält dieser Essay des niederländischen Journalisten Rob Wijnberg, findet Rezensentin Vera Linß. Über mehrere Jahrtausende hinweg verfolgt dieses Buch die Entwicklung des Wahrheitsbegriffs: Wichtig ist dabei, dass es bei Wahrheit nicht immer um Faktizität geht, wichtig ist vielmehr die gemeinschaftsbildende Funktion von Wahrheit, früher angeleitet von Religion, später von Wissenschaft. Und jetzt? Ist die Wahrheit zu einer bloßen Funktion des Ichs verkommen, liest die Kritikerin nei Wijnberg, und kann deshalb vom Kapitalismus verdinglicht und ausgebeutet werden. Das ist nicht gut, meint der Autor der Rezensentin zufolge, seiner Meinung nach besteht kein Widerspruch zwischen dem Glück des Einzelnen und gemeinschaftlichem Denken. Wie man zu einem besseren Umgang mit der Wahrheit kommt in populistischen Zeiten: dazu freilich gibt dieses Buch Linß zufolge wenig Hinweise. Aber sie wirft das Wijnberg nicht wirklich vor - vielmehr sieht sie das Buch als eine Aufforderung an die Leser, selbst weiter zu denken in die Richtung, die Wijnberg vorgibt.

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