Richard Yates

Eine gute Schule

Roman
Cover: Eine gute Schule
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2012
ISBN 9783421043948
Gebunden, 231 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld. Das Haar hängt ihm fettig in die Stirn, sein fadenscheiniges Hemd ziert ein Muster aus Flecken. William Grove, fünfzehn Jahre alt und gerade als Stipendiat an der Dorset Academy angenommen, wird schnell der Stempel aufgedrückt: Mit diesem "Zigeuner" möchte keiner der Jungen im Internat etwas zu tun haben. Denn Grove kann nicht verbergen, dass er aus proletarischen Verhältnissen stammt. Doch genau das soll er an der Dorset, Hort englischer Erziehungstraditionen, lernen - seine Mutter hofft, dass ihrem Sohn sich so die Türen zur höheren Gesellschaft öffnen, die ihr, der großen Künstlerin, verschlossen geblieben sind, trotz aller Bemühungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2012

Kirsten Voigt liebt diesen Autor einfach, der so klug und verständnisvoll von den Gescheiterten, Enttäuschten und Verzweifelten erzählen kann. Es ist allerdings ein Können, das er seinem eigenen Scheitern verdankt, wie Voigt unterstreicht. "Eine gute Schule" erzählt von der kleinen Welt der Dorset Academy, wohin die geschiedenen Eltern ihren Sohn William Grove geschickt haben und die eine gute Schule nur in dem Sinne ist, dass der Junge dort viel Bitteres erleben muss. Wie Yates hier das "Unglück ein Mensch zu sein" schildert, all die schmerzlichen Erfahrungen der pubertierend-sadistischen Schüler und der unglücklichen Lehrer, das hat die Rezensentin tief ergriffen. Dass es sie nie bedrückt hat, das macht für sie das "poetische Geheimnis" des Richard Yates aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2012

Endlich wird Richard Yates gebührend gefeiert, freut sich Bernadette Conrad. Jetzt ist die deutsche Übersetzung seines autobiografischen Romans "Eine gute Schule" erschienen. Wie sein Protagonist, Bill, hat Yates eine Privatschule besucht, die sich seine Familie kaum leisten konnte. Wie Bill hatte der Autor in seiner Jugend eine harte Zeit auf dem Internet, hat er unter seinen Mitschülern gelitten - und war seinem Vater erst nach dessen Tod dankbar, weil die Schule ihm immerhin das Schreiben gebracht hatte, fasst Conrad zusammen. Das Buch lebt von der Atmosphäre des Milieus, findet sie: unreflektierte Demütigungen und Machtmissbrauch, Unsicherheit und sexuelle Frustration, verstörende "körperliche und psychische Aggression". Gefühle finden nur gelegentlich eine Nische. Im Gegensatz zu Yates' anderen Romanen ist "Eine gute Schule" angefüllt mit Charakteren, berichtet Conrad, die überrascht hat, welche von ihnen eine Bedeutung für Bill gewinnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2012

Mit das persönlichste Buch des Autors sieht Christopher Schmidt in diesem 34 Jahre nach seiner Original-Veröffentlichung endlich bei uns (in klarer, kongenialer Übersetzung von Eike Schönfeld, wie Schmidt erfreut feststellt) erscheinenden Roman von Richard Yates. Wenn wir Schmidt folgen, ist das Buch Yates' Versuch, die eigene Kindheit und Jugend im Internat zu verarbeiten, der Dorset Academy in Neuengland, die seine Absolventen direkt in den Krieg schickte. So weit, so bitter. Für Schmidt ist das Buch nicht nur ein emotionaler, persönlicher Rückblick des Autors, sondern ein Generationenporträt, verfasst mit der relativen Altersmilde eines Mannes, dessen Galligkeit bekannt ist. Schmidt beschreibt es als "gefrorenes Gefühl", als zu Eiswürfeln gefrorene Tränen, "die beim Schreiben im Whiskeytumbler klirrten". Motivisch dreht sich laut Rezensent alles um die jungen unschuldigen Seelen und ihre rücksichtslose Opferung, das macht den Roman für ihn zu einem sehr humanen Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.10.2012

René Hamann würdigt den 1992 gestorbenen Richard Yates als unbesungenen Helden der Literatur der Babyboomer-Generation, dem zeit seines Lebens der große und verdiente Erfolg unvergönnt blieb. Der hier besprochene, bereits 1978 erschienene, einfühlsam erzählte und montierte Internatsroman (mit den dafür üblichen Thematiken, wie Hamann anmerkt) zählt allerdings zu den erfolgloseren Werken des eh schon Erfolglosen. Tatsächlich nicht wirklich überwältigt wirkt denn auch Hamann, doch kann er dem mit autobiografischen Einsprengseln versehenen Werk ohne weiteres einen "verdammt eleganten" Stil zugute halten, der zumal in der "kongenialen" Übertragung des Salinger-Übersetzers Eike Schönfeld einigen Schwung entwickelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Laut Rezensentin Verena Lueken erzählt dieser Autor immer am Abgrund. Bei uns noch nicht so bekannt, wie er laut Lueken sein sollte, hat Richard Yates mit diesem Buch im Verständnis der Rezensentin zwar nicht mit autobiografischer, doch mit klarer, distanzierter Erzählstimme den Blick auf das unausweichliche Schicksal einer ihm höchst ähnlichen Figur gerichtet, Familienverhältnisse, Schulzeit. Mehr Identifikationsversuche möchte Lueken nicht anstellen. Lieber schaut sie, wie Yates sein vielfältiges Personal in einprägsamen Konstellationen meisterhaft arrangiert, seine einfachen Sätze, den drastischen, manchmal melancholischen, doch nie sentimentalen Ton, wenn die Erinnerung spricht. Als Beispiel beschreibt sie die Szene eines missglückten Selbstmords. Für Lueken öffnet sich hier auf kaum zwei Seiten ein Raum voller Einsamkeit, große Erzählkunst, meint sie.