Aus dem Englischen von Monika Köpfer. North Bath, Upstate New York, steht vor großen Veränderungen: Die Kleinstadt ist eingemeindet worden. Obendrein taucht in einem Hotel genau in der Mitte zwischen North Bath und Schuyler Springs - dem Annektierer - eine Leiche auf. Polizeichefin Charice Bond, die erste Schwarze Frau auf diesem Posten, ist aufs Äußerste gefordert, nicht nur weil sie ihren Ex (und ehemaligen Vorgesetzten) zur Aufklärung des Falls hinzuzieht. Unterdessen arbeitet sich College-Professor Peter Sullivan immer noch an seinem verstorbenen Vater ab - und sieht sich gleichzeitig mit der zerrütteten Beziehung zu seinem Sohn Thomas konfrontiert. Am anderen Ende von North Bath kämpfen Ruth und ihre Tochter Janey darum, ihre Familie zusammenzuhalten. Inmitten all dessen rätseln die Bewohner der Stadt, was es mit der nicht zu identifizierenden Leiche auf sich hat. Wer von ihnen könnte unbemerkt verschwunden sein? Richard Russo stellt sich in diesem Roman nicht nur der Frage, wie wir dem Fluch entkommen können, dass wir unseren Eltern immer ähnlicher werden - er zeigt den alternden Mann in der Krise und verhandelt Themen wie das Sterben amerikanischer Kleinstädte, Rassismus und Polizeigewalt. In "Von guten Eltern" kehrt er zurück zu den Figuren aus "Ein grundzufriedener Mann" und 'Ein Mann der Tat' und zeichnet dabei das Porträt einer Arbeitergemeinde im Wandel.
Rezensent Eberhard Falcke freut sich über den dritten Teil von Richard Russos North-Bath-Trilogie, mag er sie doch sehr, die "schrulligen", manchmal "zwielichtigen" Figuren aus der amerikanischen Kleinstadt, die auch hier wieder ihren Auftritt haben. So freut sich der Kritiker über ein Wiedersehen mit dem New Yorker Dozenten Peter, der nach dem Tod von Vater Sully als Handwerker die geerbten Häuser renoviert oder über eine neue Begegnung mit Ex-Polizeichef Douglas Raymer, dem hier einige "bühnenreife Dialoge" vergönnt sind. Natürlich treten weitaus mehr Figuren in Russos Kleinstadt-Panorama auf, struktureller Rassismus, ein Kriminalfall, eine weibliche Dynastie und "alkoholisch angeturnte Handwerker" machen den Roman zu einem so bewegenden wie witzigen Mix. Dass Russo Land und Leute nie als "Trump-Land" denunziert, rechnet ihm Falcke hoch an - und so verzeiht er gern die ein oder andere Länge.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.05.2024
Ein Roman, für dessen Personal "der 'struggle of life' eine Dauerbeschäftigung ist": Das liest Rezensent Rainer Moritz bei Richard Russo, der seine Geschichte im ziemlich abgehängten Städtchen North Bath ansiedelt. Die Handlung spielt 2010, der Ort soll mit der Nachbargemeinde zusammengelegt werden, was für Unmut in der Bevölkerung sorgt, so muss zum Beispiel der Moritz aus Russos Büchern gut bekannte Polizist Doug Raymer seinen Posten aufgrund der Fusion räumen. Klug verwebt der Autor diese Erzählstränge mit einem Kriminalfall, es wird eine Leiche gefunden, aber auch mit politischen Belangen und zeichnet so nach, wie der Weg zu Präsidentschaft Trumps führen konnte. Ein guter Roman, um das ländlichere Amerika zu verstehen, resümiert der Kritiker.
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