Richard J. Evans

Der Geschichtsfälscher

Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess
Cover: Der Geschichtsfälscher
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783593367705
Gebunden, 391 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Kein Holocaust-Prozess seit dem Eichmann-Prozess in Israel hatte so viel öffentliche Resonanz wie der Verleumdungsprozess David Irvings gegen Deborah Lipstadt. Richard J. Evans gibt einen erhellenden Bericht über die Verhandlung und die Schwierigkeit, historische Wahrheit und Fälschung sicher voneinander zu unterscheiden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.03.2002

Richard Evans war einer der wichtigsten Fachgutachter im Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving. Seine gründliche Widerlegung hat zur Verurteilung des Historikers entscheidend beigetragen, in diesem Band wird der Prozess, werden die einzelnen Argumente zusammengefasst und im Zusammenhang vorgestellt. Den Hintergrund zum Faktischen geben "Überlegungen zu historischer Objektivität" ab, die auf einem "klaren Wahrheitsbegriff" beharren, um von dieser Position aus Irving als Fälscher dingfest machen zu können. Sehr überzeugend, so Ulrich Speck, ist das Buch dann auch auf der Ebene von Details und Tatsachen: Evans kann Irving den "selektiven, oberflächlichen Umfang mit Quellen" nachweisen, ebenso Verdrehungen und Manipulationen. Zum uneingeschränkt positiven Votum des Rezensenten gehört auch, dass das Buch "anschaulich und klar geschrieben", dazu "präzise übersetzt" sei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2002

Die Geschichte des Irving-Prozesses, der den Laienhistoriker David Irving als Holocaust-Leugner überführte, ist hinreichend bekannt. Die vorliegende Monografie des im Prozess beweisführenden Historikers Richard J. Evans findet Urs Hafner allerdings vor allem deshalb überflüssig, weil sie als "eigenständiger Beitrag zum vielschichtigen Thema der 'historischen Wahrheit'" seiner Ansicht nach schlicht nicht taugt. So zweckdienlich Evans' akribische Berechnungen im Prozess auch gewesen sein mögen, im Buch vermisst Hafner doch ein differenzierteres Vorgehen, das etwa Relativismus und Revisionismus klar auseinander zu halten imstande wäre. "Auschwitz" als Argument für die "Realität der Fakten" ins Spiel zu bringen, hält der Rezensent gar für "ein zweifelhaftes Vorgehen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Der Historiker Norbert Frei ist sehr beeindruckt von dem Buch seines britischen Kollegen Richard J. Evans, das die Demontage des britischen Holocaust-Leugners und Geschichtsfälschers David Irving zeigt, den man seit dem Londoner Prozess - Irving hatte die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt wegen Verleumdung verklagt - mit dem Segen der britischen Justiz als eben solchen bezeichnen darf. Dies ist auch ein Verdienst Richard Evans', wie Frei würdigt. Evans hatte als Gutachter in dem Verfahren die Aufgabe übernommen, Irvings manipulativen Umgang mit historischen Quellen nachzuweisen. Das Buch zeige nun, schreibt Frei, wie ihm dies gelang. Über den methodischen Details seiner Beweisführung, bedauert Frei allerdings, gerate der "brutale Zynismus, mit dem sein Kontrahent 'Geschichte' schreibt", bisweilen etwas aus dem Blick. Doch man beginne auch "zu ermessen, welche intellektuellen und moralischen Strapazen der Prozess für die Mannschaft der Verteidigung aber auch für Charles Gray, den souverän agierenden Richter, bereithielt: wie enervierend die Auseinandersetzungen mit einem Kläger gewesen sein müssen, der auf einen Anwalt verzichtet hatte und der die Gutachter der Gegenseite deshalb selbst ins 'Kreuzverhör' nahm".

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