Neudruck der Ausgabe Augsburg 1733. Mit einer Einführung von Fritz-Eugen Keller. Diese aufwendige Kupferstichpublikation ist eine Auftragsarbeit des späteren preußischen Königs Friedrich I. an den aus Frankreich emigrierten Graveur und Architekten Jean Baptiste Broebes. Das Buch sollte mit der Präsentation der königlichen Prachtbauten ein glanzvolles Bild des mächtig gewordenen Königreichs Preußen in ganz Europa propagieren. Gerade Berlin bot an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert Anlass zu einer derartigen Dokumentation: Die Stadt wuchs in diesem Jahrzehnt wie keine andere in Europa, die Verwaltung wurde der Funktion des Regierungssitzes angepasst und die neu gestaltete Metropole schmückte sich mit Anlagen wie dem Schlossplatz mit seinen Bauten oder dem Kranz der rund um Berlin liegenden Schlösser.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.02.2001
Der Nördlingen-Verlag, seit Jahrzehnten auf Faksimiles, Raritäten und Kostbarkeiten spezialisiert, wartet im Preußen-Jahr mit dem Neudruck eines bereits 1733 herausgegebenen Buch über die Baukunst in Preußen auf. Der Rezensent Christian Thomas erklärt, was das Besondere an der Vedutensammlung von Jean Baptiste Broedes ist: Broedes, der an der frisch gegründeten Berliner Akademie als Professor der Baukunst lehrte und verantwortlich für Perspektive und Zivilarchitektur war, sei ein "verdienstvoller Vedutenstecher" gewesen. Er habe den Aufbau-Furor des Absolutismus, eine Wachstumsbranche der Architektur, dokumentiert. Sein Radierwerk gibt dem Leser perspektivische Ansichten verschiedener Gebäude und Landstriche. Broebes, betont der Rezensent, war ein genauer Berlin-Beobachter, aber kein penibler Kopist der Realität. Er habe eine "kolossale Vision von der Stadt" gehabt, und wenn die Stadt sich in der Realität auch nicht so entwickelt hat, wie Broebes sie entwarf, so sah er doch "weit", meint der Rezensent. Thomas charakterisiert den heute weitgehend vergessenen Broebes als "genialen Papierarchitekten", von dessen Visionen so gut wie nichts realisiert wurde.
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