Wo steht die Personalführung fünf Jahre nach Reinhard Sprengers Buch "Das Prinzip Selbstverantwortung"? Gelten die Mitarbeiter wirklich als wertvollstes Kapital eines jeden Unternehmens? In seinem neuen Buch zieht Sprenger eine schockierende Bilanz: Die moderne Unternehmensführung ist längst nicht so modern wie sie sich gibt. Keineswegs sollen mit einzigartigen Menschen unvergleichliche Produkte und unverwechselbare Unternehmen geschaffen werden. Stattdessen heißen die Sehnsüchte nach wie vor Firmensoldatentum, Geschlossenheitskartell und Konformität. Sprenger warnt: Führungskräfte müssen radikal umdenken. Nur ein Unternehmen, das die menschliche Individualität zur Geltung bringt, wird die Zukunft für sich entscheiden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2001
Nach Robert Fieten zeigt der Autor hier die Diskrepanz von Unternehmensalltag und den "Lippenbekenntnissen" der Unternehmenschefs auf. Etwa dort, wo Unternehmer ihre Mitarbeiter als das 'wertvollste Kapital' bezeichnen, doch in Wirklichkeit die Mitarbeiter "eigentlich nicht als Partner, sondern allein (als) Erfüllungsgehilfen" sehen. Sprenger plädiere für das Individuum und spreche sich deutlich gegen das "Firmensoldatentum" und die Versuche aus, "sich die Menschen passend zu machen". Dass viele Mitarbeiter sich in eine "innere Kündigung" zurückziehen, sei nicht zu leugnen, und auch dass dabei die mangelnde Würdigung des Individuums eine bedeutende Rolle spielt. Fieten scheint gegen dieses Sichtweise prinzipiell keine Einwände zu haben, doch stört er sich an der Drastik - auch im Vokabular - mit der Sprenger seine Überzeugungen zum Ausdruck bringt. Was er an dem Buch darüber hinaus vermisst, sind praktikable Vorschläge zu einer Verbesserung dieser Zustände: Wie sollten Strukturen aussehen, bei denen das Individuum ausreichend berücksichtigt wird? Und wo sollen diese seltenen Exemplare von Führungspersönlichkeiten herkommen? Darauf gibt das Buch, so Fieten, keine Antworten.
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