Reinhard Kaiser-Mühlecker

Schwarzer Flieder

Roman
Cover: Schwarzer Flieder
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2014
ISBN 9783455404708
Gebunden, 236 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Ferdinand Goldberger hat den Hof seiner Familie verlassen und ist nach Wien gegangen, aber das erhoffte Liebesglück erweist sich als Illusion, als seine Verlobte sich das Leben nimmt. Bei einem Besuch auf dem Hof bemerkt er den wachsenden Zwist zwischen seinem Onkel Thomas und dessen Neffen Leonard, ein Hass, der immer destruktiver wird. Er geht nach Bolivien, auf den Spuren seines Vaters, der in Südamerika nur den Tod gefunden hatte. Als er sich gerade in der Fremde eingerichtet hat, wird er zurückgerufen: Thomas hat Leonhard erschlagen. Ferdinand übernimmt den Hof mit dem Plan, ihn zu zerstören, nichts übrig zu lassen von dem, was seine Familie ausgelöscht hat. Mit großer Konsequenz und einem beinahe alttestamentarischen Erzählduktus schreibt Reinhard Kaiser-Mühlecker das Epos der Familie Goldberger zu Ende.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2014

Ein großer Freund von Generation-Epen ist Rezensent Jan Wiele nie gewesen, Reinhard Kaiser-Mühlbecks Roman "Schwarzer Flieder" kann er nun aber wirklich gar nichts abgewinnen. Die Geschichte um Ferdinand und Susanne, die dem Kritiker im Jahre 1982 vom selben Autor kurz und knapp erzählt, gut gefallen hat, hätte weißgott nicht auf über 800 Seiten in zwei Roman ausgeweitet werden, findet Wiele. Von Abenteurern im bolivianischen Dschungel liest der Rezensent hier ebenso wie von den Problemen der in Scharen auftretenden Familienmitglieder, nebenbei erfährt er noch etwas über moderne Landwirtschaft, alles meist aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Und dass der ganze Roman auch sprachlich nicht überzeugen kann, verbessert die Laune des Kritikers auch nicht unbedingt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.06.2014

Maike Albath begeistert sich für Reinhard Kaiser-Mühleckers Fortführung seines 2012 erschienen Familienepos' "Roter Flieder". Im Mittelpunkt der Erzählung "Schwarzer Flieder" steht Ferdinand, Urenkel des NSDAP-Ortsgruppenführers Ferdinand Goldberger, der den Hof des Onkels verlässt, erst nach Wien und später nach Bolivien zieht um seine eigene Geschichte verstehen zu lernen, fasst die Rezensentin zusammen. Albath lobt vor allem die starke Erzählerstimme, die einen Kontrapunkt zum schweren Schweigen der Familie dargestellt. Ebenso beeindruckt ist sie von den atemberaubenden Landschaftsbildern, die die "oberösterreichischen Felder und Äcker in eine mystische Landschaft" verwandeln. Der Leser wird in dieses Umfeld hineingezogen und bleibt gefangen im Schicksal und Verhängnis der porträtierten Familie, verspricht Albath.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2014

Sabine Vogel findet es schon mutig, heutzutage den "Aufbruch aus bäuerlich-familiären Zwangsverhältnissen" in die große Stadt noch als tiefes Trauma zu inszenieren. Eben das tut Reinhard Kaiser-Mühlecker, berichtet die Rezensentin, er schickt seinen Protagonisten Ferdinand Goldberg, der eine gefühlskalte Beamtenmentalität an den Tag legt, aus der österreichischen Provinz nach Wien und an andere exotische Orte, wo er der "Wehrlosigkeit der Sinne" erliegt und, endlich, aus seiner Passivität gerissen wird, fasst Vogel zusammen. Die Rückkehr zu seiner Familie beendet das Buch dann mit einem biblischen Krawall samt Neffenmord, verrät die Rezensentin noch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Christoph Schröder fand bereits den Band "Roter Flieder", mit dem Reinhard Kaiser-Mühlecker seine österreichische Familienchronik von der Nazizeit bis in die frühen 90er Jahre begann, großartig. Mit "Schwarzer Flieder beendet er Geschichte mit einem alttestamentlichen Furor, den ihm der Rezensent "gar nicht zugetraut" hätte. Im vorliegenden Buch steht Ferdinand Goldberger im Mittelpunkt, dessen Vater nach Bolivien ausgewandert und verschollen ist, und der mit sechzehn Jahren auf den Hof des Onkels kommt, den er am Ende des Romans, nach einer tödlich endenden Auseinandersetzung mit ihm, übernimmt, fasst der Rezensent zusammen. Dabei legt der Autor sein Augenmerk weniger auf den chronologischen Ablauf, sondern erforscht im Verlauf vielmehr den "Zusammenhang zwischen Landschaft und Mentalität", so Schröder gefesselt. Dem begeisterten Rezensenten fallen bei der Lektüre Peter Handke und Adalbert Stifter ein, doch damit ist der Autor in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literaturlandschaft eine absolute Ausnahmeerscheinung, wie er findet. Grandios, ästhetisch überzeugend und dabei "zutiefst österreichisch" ist dieser Roman in den Augen des höchst eingenommenen Schröder.
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