Walter Klier

Hotel Bayer

Eine Geschichte aus dem 20. Jahrhundert
Cover: Hotel Bayer
Haymon Verlag, Innsbruck 2003
ISBN 9783852184166
Gebunden, 176 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Es war in den letzten Stunden des Zweiten Weltkriegs, als nicht wenige Bonzen des Regimes und SS-Offiziere über den Brenner flohen und in schlecht beheizten Gaststuben bei einem Schoppen Rotwein ihre Weiterfahrt planten. Von dieser "Stunde Null" bis ins Südamerika der achtziger Jahre, wo sich Typen solcher und ganz anderer Herkunft ein Stelldichein geben, spannt Walter Klier den Bogen seines Romans. Der Zufall hat Revolutionäre verschiedener Ideologien und heruntergekommene Advokaten, amerikanische Touristinnen oder dubiose Abgesandte des Vatikans in einer kleinen Stadt in Bolivien zusammengewürfelt ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2004

Ein wenig zwiespältig zeigt sich Rezensentin Sabine Doering bei ihrer Besprechung dieses Südamerika-Romans von Walter Klier. Nicht wirklich fesselnd findet sie das Schicksal von Kliers Figuren - eines ehemaligen Nazis, einiger junger Desperados, eines bolivianischen Anwalts, eines römische Klerikers, eines Hochstaplers aus den Vereinigten Staaten und einiger junger Rucksacktouristinnen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten, deren Lebenswege sich in Bolivien kreuzen. Doering führt das darauf zurück, dass Klier die Zutaten seines Romans, die eigentlich auf eine spannende Abenteuer- und Agentengeschichte hinauslaufen, nicht eben reißerisch aufbereitet, sondern sich dezidiert in Nüchternheit und emotionaler Distanz übt. Dennoch hält Doering den Roman für lesenswert - vor allem wegen der satirischen Passagen über die naive Begeisterung für den großen Che, dem junge Europäer ebenso erliegen wie südamerikanische Berufsrevoluzzer. In diesen Passagen gewinne Kliers Roman schließlich doch noch eine "persönliche Note".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Friedhelm Rathjen zeigt sich von diesem Roman, in dem die verschiedensten Reisenden in einem Hotel irgendwo in Bolivien aufeinander treffen und deren Geschichten sich miteinander verknüpfen, sehr angetan. Walter Klier erzählt sehr "europäische Geschichten" von geflohenen Nazis und Rucksacktouristen, die mehr gemeinsam haben als sie ahnen, erklärt der Rezensent. Da aus der wechselnden Perspektive verschiedener Figuren erzählt wird, weiß der Leser bald mehr als die Protagonisten, so Rathjen. Und auch die Figuren streben stets danach, mehr über den jeweils anderen zu wissen, als dieser über sie selbst herauskriegen kann, und es geht ihnen immer auch darum, die anderen "auszutricksen". Doch am Ende sei der "schlaumeierische Leser" doch der "Dumme", denn er verstricke sich unbemerkt in diesem "trickreich" geknüpften Text, in dem sich Gewissheiten in "Täuschungen" verwandeln. Der Leser erwartet am Ende des Romans zwar, wie Rathjen meint, einen "großen Knall", doch löst der Autor stattdessen seine Erzählstränge "genauso behutsam" wie er sie angelegt hat, stellt er eingenommen fest. Klier bietet keine Lösungen, keinen "Sinn", sondern führt in seinem Roman die "Selbstzerstörung allen Sinns" vor, meint der Rezensent, der die Figuren dieses Buchs den "Alptraum des 20. Jahrhunderts" träumen sieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2003

Kai Martin Wiegandt begegnet dem Roman um eine Gruppe von ganz verschiedenen Menschen, die 1982 im bolivianischen "Hotel Bayer" zusammentreffen, mit verhaltenem Lob. Es geht dem Autor darum, die Frage nach dem Verhältnis von Südamerika und der restlichen Welt zu erörtern, ist die Einschätzung des Rezensenten. Klier gelinge es, Bolivien als eine "riesige Projektionsfläche" für "westliche" Vorstellungen darzustellen. Das Buch hat alle Eigenschaften eines "guten Essays" und ist dennoch lebendig, lobt Wiegandt. Leider, so scheint es unserem Rezensenten, hat der Autor mehr Interesse an seinen historisch-politischen Themen als an seinen Figuren. Auch erinnern Wiegandt die Dialoge mitunter allzu stark an Hemingway. Dennoch, so der Rezensent abschließend, wer Interesse an südamerikanischer Geschichte hat, liest dieses Buch "mit Gewinn".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2003

Christiane Zintzen war gewarnt: "Wo viele Mottos prangen, dort heißt es achtsam sein", wusste sie und fand dann auch allen Grund, vor dem "Schaubild (...) der ideologischen Aberrationen des 20. Jahrhunderts" in Deckung zu gehen, das Walter Klier hier zeichnet. Ein bunter Haufen Figuren, zu Gast im mit Bedeutung voll ausgebuchten "Hotel Bayer" in einer fiktiven bolivianischen Stadt, und alle - die "Archäonazis, klerikalen Schranzen, Ex-Revolutionäre und Illusionsverkäufer" - stehen sie für irgendetwas, nur leider niemand für sich selbst. Keine Charaktere in den Hotelzimmern, nur Platzhalter für die Verfehlungen der jüngeren Geschichte. So sehnte sich die Rezensentin, "bei allem Respekt für den künstlerischen Aufklärungswillen beziehungsweise das aufklärerische Kunstwollen des Autors", bald nach dem Klingelzeichen am Ende der drögen Schulstunde.