"Entlang dem staunen / siedelt das gedicht, da / gehn wir hin". Reiner Kunze
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2008
Wulf Segebrecht gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass Reiner Kunze in einer jüngst erschienenen Gedichtanthologie mit "bedeutenden" Lyrikern des 20. Jahrhunderts" nicht vorkommt und fragt sich, ob dieser einst mit dem Büchnerpreis ausgezeichnete Autor sogar bewusst ausgespart wurde. Im jüngsten Gedichtband Kunzes, "lindennacht", findet der Rezensent nicht nur, wie er meint, Bekenntnisse zu parteifreundlichen Gedichten, die Kunze beispielsweise für die 1959 erschienene Lyrikanthologie der Nationalen Volksarmee der DDR verfasste. Zugleich entnimmt er ihm mit dem ersten Gedicht dieses Bandes auch das "poetische Programm" Kunzes, das mit geradezu "revolutionärem Impetus" nach einer Schönheit strebt, die sich nicht im bloßen Abbilden der Natur erschöpft, wie Segebrecht betont. Das Gedicht, das sich noch einmal mit der Rechtschreibreform auseinandersetzt, gegen die sich Kunze bereits mit einem scharfen Essay gewandt hat, scheint dem Rezensenten dagegen etwas belanglos. Die Verse schließlich, mit denen der Lyriker sich asiatische Gedichtformen wie den japanischen Haiku oder den koreanischen Sidcho aneignet, werden Kenner und Liebhaber dieser Kurzformen wahrscheinlich nicht zusagen, wie der Rezensent vermutet, dafür können sie als Versuche in Richtung einer "Globalisierungspoetik" gelten, mit der Segebrecht offensichtlich ganz einverstanden ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2008
Rezensent Jörg Magenau ist im Großen und Ganzen ganz angetan von Rainer Kunzes in den Jahren 2005 und 2006 verfassten Gedichtsband und nennt ihn dessen "Alterswerk" - nicht nur, weil im letzten Kapitel einige Nachrufe auf Wegbegleiter zu finden sind. Zwar stört den Rezensenten der unterschwellige "Kulturkonservatismus" des Autors, der sich etwa in einem abschätzigen Gedicht über die Rechtschreibreform manifestiere. Doch alles in allem bleibt Kunze bei seinen Stärken und die bestehen für Magenau in verknappten Landschaftsbildern und Naturbeobachtungen. Die "Kunst der Reduktion" treibt Kunze mit diesem Werk weiter voran, trotzdem gelingt es ihm, mit seiner Lyrik "die Schönheit der Schöpfung" zu feiern, lobt der Rezensent.
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