Leidenschaftlich und handfest schreiben die Dichter - erst sehr viel später und meist dezenter auch die Dichterinnen - übers Werben, Verführen und Genießen des anderen Geschlechts. Aus der Liebesdichtung südlicher und westlicher Nachbarn ist die eher sanftere Erotik in die deutsche Dichtung gekommen. Dort geht es früh derb und lapidar zur Sache, in Barock und Rokoko werden die Formen künstlicher, im 19. Jahrhundert wieder deutlicher und formal recht unbekümmert. Der Band verspricht einen sinnlichen Rundgang durch 500 abwechslungsreiche Jahre deutschen erotischen Dichtens. Mit Texten von Hans Sachs, Johann Wolfgang Goethe, Bertolt Brecht, Ulla Hahn, Sarah Kirsch und vielen anderen.
Höchst empfehlenswert findet Rezensent Franz Schuh diese Anthologie mit erotischen Gedichten aus fünf Jahrhunderten. "Von wegen erotische Gedichte", kommentiert er den Untertitel des Buchs. Das seien "verbale Opfergaben an den Sexus" und weil das so vollendet in die Kulturform der Lyrik überführt wurde, findet Schuh diese Edition geradezu ideal für die Erziehung gegen Pornografie. Offensichtlich bedauerlich findet der Rezensent, dass der Edition nicht zu entnehmen ist, wer die unter einer Heinezeile versammelten Texte ausgewählt hat.
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