Raul Zelik

Der bewaffnete Freund

Roman
Cover: Der bewaffnete Freund
Blumenbar Verlag, München 2007
ISBN 9783936738278
Gebunden, 287 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Max, Mitte dreißig, kehrt im Rahmen eines Forschungsprojekts nach Bilbao zurück, wo er früher regelmäßig seine Ferien verbrachte. Kurz nach seiner Ankunft erfährt er, dass auch sein alter Freund Zubieta zurückgekommen ist. Zubieta hatte einem befreundeten Schriftsteller vor zwanzig Jahren zur Flucht aus dem Gefängnis verholfen und lebt seitdem im Untergrund - als einer der meistgesuchten Terroristen in Europa. Als Max eine Nachricht von Zubieta zugespielt wird, ist er hin- und hergerissen. Die Freundschaft zwischen den beiden reicht weit zurück, doch das Risiko, sich mit Zubieta zu treffen, ist groß. Im Baskenland herrscht Ausnahmezustand, nicht nur Anschläge von Zubietas Organisation, sondern auch Folterungen durch die Polizei gehören zum Alltag in der Region. Schließlich begleitet Max den Freund auf eine Reise über die iberische Halbinsel - eine 600 Kilometer lange Fahrt zwischen Angst und Zweifeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2007

Raul Zeliks Buch "Der bewaffnete Freund" bietet für Jutta Person eine fragwürdige Gewaltdiskussion. Sie findet, dass es eigentlich kein richtiger Roman ist. Es geht um einen Berliner Wissenschaftler, der für einen Forschungsauftrag nach Bilbao kommt, dort auf seinen alten Freund Zubieta, einen gesuchten ETA-Terroristen, trifft und diesen auf der Flucht durch ganz Spanien chauffiert, fasst die Rezensentin zusammen. Während der Ich-Erzähler mit der theoretischen Unterstützung von Walter Benjamin und Carl Schmitt elaborierte Gedanken über Macht und Gewalt produziert, zeigt er sich gegenüber seinem Gewalt bejahenden Freund loyal und einem "altbackenen" Männerfreundschaftsideal verpflichtet, das die Rezensentin befremdet. Person gibt zu, dass die Debatten um die baskische Identität und die Gewaltdiskussion durchaus interessant sind, und sie weist auf eine reale Vorlage zur Figur des Zubieta hin, aber sie findet trotzdem, dass dies keinen guten Roman ergibt. Und auch wenn die Flucht durch Spanien passagenweise recht spannend sei, sei das Buch erzählerisch und sprachlich dennoch ziemlich grob gestrickt, moniert die Rezensentin, die sich zudem an der "Rebellenromantik" stört, die den Roman durchweht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2007

Tobias Döring lobt die Balance zwischen dem Dokumentarischen und der "eigenen Kraft", die dieser Roman entfaltet. Dementsprechend findet er das Buch spannend und engagiert zugleich. Die anfängliche Absehbarkeit, so erklärt er, weicht bald einem Gang in "entlegene Erfahrungswelten"; nach dem ersten Drittel gewinnt der Roman für ihn "an Intensität". Das geht zusammen mit einer von Raul Zelik eingebauten Identifikationsaufforderung, die den Rezensenten nicht kalt lässt. Wie, fragt er sich schon bald, lässt sich Alltag bewältigen mit einem Terroristen im Auto? Dafür dass Zelik mit dem so inszenierten Schrecken nicht kokettiert und Distanz bewahrt, indem er Fakten liefert (die Geschichte basiert zum Teil auf authentischen Charakteren), ist Döring dankbar. Derart gestärkt kann er sogar die eingestreuten proseminaristischen Exkurse verkraften. Mehr von dieser Art Literatur könnte nicht schaden, schließt er.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2007

In Raul Zeliks Hauptfigur des Romans "Der bewaffnete Freund", der eine Autofahrt des baskischen Illegalen Zubieta mit seinem deutschen Fahrer durch Südfrankreich und Spanien bis zur Meerenge von Gibraltar schildert, erkennt Rezensentin Beatrix Langner den 1985 in die Illegalität abgetauchten und 2004 verhafteten ETA-Führer Mikel Albizu. Diesen kennt sie bereits aus den Essays und politischen Analysen des Schriftstellers, Lateinamerikanisten und Politologen Zelik, diesmal wird er jedoch zur charismatischen, humorvollen und um Frieden bemühten Identifikationsfigur, stellt die Rezensentin fest, die das Buch sehr fesselnd fand. Vor allem aber wecke der Autor Empathie bei den Lesern für die politische Lage der Basken als ungeliebte Nachbarn der Spanier, so Langner. Der reflektierte, unaufgeregte Ton Zeliks stellt auf jeden Fall ein angenehmes Gegenmittel zu den erhitzten Debatten um Terrorismus dar, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.08.2007

Rezensent Andreas Fanizadeh ist entsetzt von Raul Zeliks Roman "Der bewaffnete Freund", den er nur als "Agit-Prop" ansehen kann, so unverbrämt werde hier der bewaffnete Kampf der Eta gerechtfertigt. Manche von Zeliks Beobachtungen seien zwar "atmosphärisch" stimmig, räumt der Rezensent ein, doch Reflexion werde hier nur "angetäuscht", und die Charaktere sind vor allem in Schwarz-Weiß gezeichnet. So treten hier die Kritiker der Eta als "Weißwein schlürfende Fettsäcke" auf, "die genauso den Folterkellern des Diktators Franco entsprungen sein könnten", schimpft der Rezensent. Dass sich Spanien inzwischen zu einer Demokratie gewandelt hat, spielt in dem Roman nicht wirklich eine Rolle. Überhaupt scheint die gesellschaftliche Komplexität der "nachfranquistischen Gesellschaft Spaniens" den Autor nicht zu interessieren, stöhnt der Rezensent. Und dass Zelik einen Jürgen Habermas "literarisch veralbert", findet Fanizadeh einfach nur schwach.
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