Raoul Schrott

Die Kunst an nichts zu glauben

Gedichte
Cover: Die Kunst an nichts zu glauben
Carl Hanser Verlag, München 2015
ISBN 9783446249653
Gebunden, 168 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Nach über zehn Jahren der neue Gedichtband von Raoul Schrott: eine Feier der großen Kleinigkeiten des Lebens. Die Gedichte werden von Sentenzen aus der ersten atheistischen Bibel gerahmt, dem "Manual der transitorischen Existenz" aus dem 17. Jahrhundert. Dazwischen stehen Porträts einzelner Berufstätiger, vom Busfahrer bis zum Richter. Sie alle stellen ihre Fragen nach dem Gelingen des Lebens und finden Schönheit im Scheitern. Gedichte und Sentenzen erzählen so grundverschiedene und doch gleiche Geschichten: vom Kampf um jeden irdischen Moment. Und wie er manchmal beglücken kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2015

Burkhard Müller scheint fasziniert von Raoul Schrotts "Kunst an nichts zu glauben", die nicht weniger will, als das gesamte melancholische Weltbild lyrisch und philosophisch zu umkreisen. Dafür führt Schrott jedes einzelne seiner eigenen Gedichte mit einer kurzen Passage aus der legendenumwobenen Schrift des im Jahre 1574 auf dem Scheiterhaufen verbrannten atheistischen Freigeists Geoffroy Vallee ein, informiert der Kritiker. Wie Schrott seine gottverlassene Welt aus der Sicht von Dorfpolizisten, Kassiererinnen, Bauarbeitern oder Souffleusen beschreibt und seine Idee einer "tapferen Trauer" vorträgt, gefällt dem Rezensenten ausgesprochen gut. Und auch die Entscheidung, die Gedichte in die Form füllungsfreier Knittelverse aus dem 16. Jahrhundert zu fassen, hat Müller überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015

Nein, den Atheisten nimmt Rezensent Harald Hartung Raoul Schrott nicht ganz ab. Zu sehr raunt es metaphysisch in den Reflexionen und Gedichten in diesem Buch. Die Momentphilosophien des Autors zur Gottesfrage findet Hartung impressionistisch und zahm und insgesamt wenig überzeugend. Besser gefallen ihm Schrotts lyrische Versuche, wenngleich sie recht prosaisch daherkommen und Reimen als Sahnehäubchen bzw. Pfefferkörner begegnen. Den ganzen Klimbim um eine angeblich authentische obskure Schrift aus Ravennas Biblioteca Classense hätte sich der Autor jedenfalls sparen können, findet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.11.2015

Die Idee, die eigenen Gedichte mit Zitaten aus einem um 1700 verfassten italienischen Manuskript von Matthias Knutzen, der hier sein Bekenntnis zu einer gottlosen Weltlichkeit niederschreibt, zu kombinieren, findet Rezensent Eberhard Geisler eigentlich ganz schön. Leider muss der Kritiker in Raoul Schrotts neuem Band "Die Kunst an nichts zu glauben" aber bald feststellen, dass viele der Gedichte, die von der Schönheit im Scheitern erzählen, trotz einiger gelungener Formulierungen poetisch eher danebengehen. Geisler zweifelt darüber hinaus auch daran, dass Schrott Knutzens religionskritische Schriften jemals wirklich gesehen hat. Vor allem aber stört den Rezensenten, dass der Autor seinen intertextuellen Diskurs weder richtig einfügen kann, noch der eigenen lyrischen Stimme genug vertraut, so dass sie schließlich nur noch "ausgehöhlt" erscheint, so der Kritiker. Den Versuch, die Gottesfrage durch das Einprügeln auf "abgestorbene" Traditionen zu erledigen, findet der Kritiker naiv.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2015

Rezensentin Hannelore Schlaffer traut dem Dichter Raoul Schrott eine Menge zu. So wundert es sie kaum, dass es das um 1700 entstandene Manuskript des "Manuale Dell'Esistenza Transitoria", das der Autor in Ravenna entdeckt und übersetzt haben will, um ihm eigene Gedichte gegenüberzustellen, gar nicht gibt. Als verspäteter poeta doctus, der gekonnt die philologische Verdunkelung betreibt, gefällt Schrott der Rezensentin allerdings recht gut, auch wenn sie einige Gewitztheit an den Tag legen muss, um ihm auf die Schliche zu kommen und den Text als Lobpreisung der atheistischen Literatur zu begreifen, Lyrik und Pamphlet in einem.
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