Aus dem Arabischen von Lilian Pithan. Mit Nachworten von Lilian Pithan und Monika Rinck. Die titelgebenden Gedächtnishunde tragen Erinnerungen in das Gedächtnis und damit zurück in die Gegenwart. Erinnerungen, die von Krieg, Schmerz und schmerzender Liebe durchtränkt sind, werden durch die metaphorischen Vierbeiner reanimiert, wodurch sie auch in der Zukunft ein stetiger Begleiter sein werden. So, wie die Erlebnisse keiner Zeit mehr zuzuschreiben sind, werden die verwendeten Tempora diffus. Ramy Al-Asheq wandert in seinem Gedichtband von drastischen Bildern des Krieges zu verflossenen Liebschaften.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2019
Was für ein Land, das solche Dichter ins Exil zwingt, seufzt Rezensentin Angela Schader, die drei neue Lyrikbände syrischer AutorInnen vorstellt: Ramy al-Asheqs "Gedächtnishunde", Khalaf Ali Alkhalafs "Tagebücher eines Krieges" und Lina Atfahs "Buch von der fehlenden Ankunft". In allen dreien geht es - oft mit rabenschwarzem Witz - um den Krieg, das versteht sich. Aber nicht nur. Bei Ramy al-Asheq machen die Kriegsgedichte sogar nur den kleineren Teil aus, so Schader. Allerdings ist die Liebeslyrik hier auch keine rosige Angelegenheit, liest man die Zitate. al-Asheq arbeitet mit Perspektivwechseln, Verfremdungen und überraschenden Wendungen, erklärt die begeisterte Rezensentin und gibt uns mit dem Gedicht "Massaker" ein Beispiel: "Ich wünschte, sie würden alle sterben / Auf welche Art auch immer / Wie grässlich ihr Tod ist, das kümmert mich nicht", zitiert sie den Dichter, der - man erfährt es erst ganz am Schluss - hier die Minuten traktiert, die er nicht mit seiner Geliebten verbringen kann.
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