Ralph Dutli

Fatrasien

Absurde Poesie des Mittelalters. Deutsch - Altfranzösisch
Cover: Fatrasien
Wallstein Verlag, Göttingen 2010
ISBN 9783835307742
Gebunden, 143 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Altfranzösischen übersetzt und mit einem Essay von Ralph Dutli. Wer auf die "Fatrasien" stößt, traut seinen Augen nicht. Wie kann es sein, dass diese surrealistisch anmutenden, erstaunlich modern wirkenden absurden Sprachspektakel im tiefsten Mittelalter entstanden sind? Eine tollkühne Fantasie hat hier um das Jahr 1290 reimend Dinge zusammengebracht, die nie und nimmer zusammengehören. Sind es Ausgeburten der Lachkultur, der Karnevalskunst, sind es hochbrisante Zaubersprüche, heilsame Beschwörungen oder purer Nonsens? Die unmögliche Poesie der "Fatrasien" gibt viele Rätsel auf. Ihr Name ist Verballhornung der "Fantasie"; alles kann mit allem verknüpft werden, Zartes und Krudes, Deftiges und Obszönes, die unverrückbaren Gesetze von Zeit und Raum sind außer Kraft gesetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2010

"Welch ein Unsinn!", schwärmt Wulf Segebrecht hingerissen und er feiert die mittelalterlichen Fatrasien, die Ralph Dutli in diesem zweisprachigen, von ihm selbst übersetzten Band versammelt, als echte "Entdeckung". Fatrasien sind absurde Gedichte, die ihre überbordende Fantasie und ihre paradoxen Einfälle in ein strenges Formgerüst pressen, klärt der Rezensent uns auf. Er heißt es ausdrücklich gut, dass Dutli zwar die charakteristische Metrik der Originale überträgt, auf die Reime jedoch verzichtet, und nimmt mit Interesse die Feststellung des Nachdichters zur Kenntnis, in den Fatrasien stecke die Wurzel der modernen absurden oder surrealistischen Dichtung. Ein "Genussgift ersten Ranges", jubelt Segebrecht euphorisch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2010

Zu gern würde sich Franziska Meier von Ralf Dutlis Enthusiasmus gegenüber den mittelalterlichen Unsinnsgedichten, die er für die vorliegende zweisprachige Ausgabe übersetzt hat, anstecken lassen. Irgendwie findet sie seine "hemmungslos verliebte Identifikation" mit den in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Nordfrankreich entstandenen Gedichten auch sehr sympathisch. Umso bedauerlicher ist in ihren Augen, dass sich Dutli dann in seiner Übersetzung statt an feste Reimschemata und Metren für eine Prosaform entschieden hat. Denn das Faszinierende an den Gedichten sei ja die Diskrepanz zwischen strenger Form und absurdem Inhalt, meint Meier, die befürchtet, dass Dutli dieser literarischen Ausnahmeerscheinung mit seiner Publikation einen "Bärendienst erwiesen" hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.09.2010

Fatrasien sind elfzeilige, gereimte mittelalterliche Gedichte, die grotesk, absurd, surrealistisch verkehrte Welten zeichnen, Heiliges aufs Korn nehmen und jeder Autorität spotten. Hochvergnügt und zutiefst amüsiert beschreibt Rezensent Benedikt Erenz sein Lektüreerlebnis mit den in diesem Band gesammelten ziemlich derben Gedichten, für ihn "ein wildes Exerzitium der Fantasie". Die geschilderte Welt erinnert den Kritiker an Tableaus von Hieronymus Bosch. Es werde viel "gefickt, gefurzt und gepisst" und über den Klerus gespottet, der noch auf den Protestantismus warten musste, bis auch in der Bevölkerung Humorlosigkeit als Gottesliebe durchging.

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