Das berühmte Hauptwerk aus Rilkes früher Dichtung, erstmalig im Werkkomplex veröffentlicht."Das Stunden-Buch" hat Rilkes Ruhm begründet. In drei kreativen Schüben entstanden, gliedert sich die Sammlung in die Teile: "Das Buch vom mönchischen Leben" (1899), "Das Buch von der Pilgerschaft" (1901) und "Das Buch von der Armut und vom Tode" (1903). In dieser Dynamik, die die Edition textgenetisch nachzeichnet, tritt Gott, auf den sich die Gedichte anfangs im Sinn von Rilkes Verständnis russisch-orthodoxer Frömmigkeit richten, zurück. Die Sprache wird bescheidener und es entsteht zugleich eine Dichtersprache. Die Verse "jetzt mußt du in dein Herz hinaus | wie in die Ebene gehn" drücken das neue, auf das Irdische gerichtete poetische Programm aus. Ergänzt durch jene Gedichte, die Rilke erwogen und nicht aufgenommen hat, entsteht ein Werkkomplex, der hier das erste Mal sichtbar wird. Die russischen Reisen mit Lou Andreas-Salomé, der Freundin und großen Kritikerin Rilkes, schlagen sich dabei deutlich gleich im ersten Entwurf nieder, der das fiktive Tagebuch eines russischen Malermönchs mit dessen Gebeten bietet.
Enthusiastisch bespricht Rezensent Alexandru Bulucz diese Edition von Rilkes Stunden-Buch, die "literaturwissenschaftlich Maßstäbe setzt". Denn man kann hier wunderbar nachverfolgen, wie dieser Gedichtband Rilkes entstanden ist, über mehrere Jahre hinweg, zwischen 1899 und 1905. Erst nach und nach, zeigt dieser Band, werden aus zunächst noch längeren, zusammenhängenden Texten einzelne Gedichte, auch verliert sich der Charakter eines religiösen Gebrauchsbuchs, stattdessen fertigt Rilke vor allem vermittels vieler Streichungen große Dichtkunst. Interessant findet Bulucz nicht zuletzt, dass diese hier nachvollziehbare Genese nicht so recht zu Rilkes eigenen Aussagen über die Entstehung des Stunden-Buches passen will. Ein großer Wurf ist diese Edition, urteilt der Rezensent.
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