Klappentext
Das Dorf Saig über Titisee wird in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Rückzugsort für Intellektuelle, Künstlerinnen, Industrielle, Verfolgte und Widerständler: Martin Heidegger, Edmund Husserl, Otto Dix, Marie Luise Kaschnitz, Hanns Martin Schleyer, Generaldirektoren deutscher Konzerne, Stars der Babelsberger Studios und Stauffenberg-Vertraute - sie alle verbringen Zeit an diesem abgeschiedenen Ort im Hochschwarzwald. Was wie ein historischer Zufall wirkt, entpuppt sich als Schlüsselkonstellation für die deutsche Nachkriegsordnung. Inmitten traumhafter Natur kreuzen sich hier Wege und Weltanschauungen - und wichtige Entscheidungen, die die junge Bundesrepublik prägen werden, fallen genau hier.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.06.2026
Wer auch keine Ahnung hat, wo das Dorf Saig liegt und was es so besonders macht, sollte sich das Buch des Literatur- und Musikwissenschaftler-Ehepaars Gunilla Eschenbach und Rainer Bayreuther vornehmen, empfiehlt Rezensent Jens Hacke. Das Dorf liegt im Schwarzwald und wird hier Subjekt eines erzählenden Sachbuchs à la Florian Illies, erfahren wir: Heidegger hat hier wohl das ein oder andere amouröse Abenteuer erlebt, auch Ernst Gräfenberg, der Entdecker des G-Punkts, hatte hier sein Feriendomizil. Otto Dix hat hier sein "epochales Mappenwerk" "Der Krieg" vollendet, staunt Hacke, der auch einiges über vergessene Persönlichkeiten wie Fritz Klimsch lernt, ein Bildhauer, der sich den Nazis andiente und dessen Mozartdenkmal trotzdem nie gebaut wurde. Weniger unterhaltsam, aber bedeutend sind für den Kritiker Gerhard Ritter, der mit den widerständigen "Deutschen Christen" verbunden war, und Benno Reifenberg, dessen Tagebuch einen wichtigen Fundus zum Erleben des Widerstands im NS bietet und der in der Zeitschrift "Die Gegenwart" vom Überleben schrieb. Für den Rezensenten ein überzeugendes Buch, das zeigt, wie "Landschaften im Denken" entstehen können.
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